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Bloggerparade Günter Ogger "Die Diktatur der Moral" ?



Heute morgen bin ich auf ein neues Buch gestoßen dessen Titel mich sofort angesprungen hat.

Die Diktatur der Moral

Ich dachte direkt, wieso Diktatur und dann weiter, was ist eigentlich Moral?

Unter Diktatur kann sich wohl jeder von uns etwas vorstellen. Es ist die uneingeschränkte Macht einer Person oder Gruppe. Eigentlich meist politisch gesehen, nur Politik und Moral scheinen mir auch nicht vereinbar zu sein ? Uneingeschränkt kann also jemand über mich und meine Glaubenssätze herrschen ? Ohne Diskussion ? Da ich ein Mensch bin der gerne und viel diskutiert und auch mal gerne infrage stellt, wäre das für mich wohl ein Problem in so einem System zu leben. Aber die Frage ist, tue ich das nicht trotzdem ? Vielleicht merke ich ja gar nicht mehr, wie ich mich der Diktatur der Dinge unterwerfe. Ist das heutige System, du musst schlank,sportlich, vegan, ökologisch, erfolgreich sein sonst darfst du nicht mitspielen nicht auch eine Form von Diktatur der Gesellschaft ? Niemand kann sich davon freisprechen von seiner Umgebung und seinen Freunden etc. beeinflusst zu werden. Wir werden von unserer Umwelt geformt und inspiriert, was ja auch nicht schlecht sein muss. Die Gesellschaft hat sich schon immer umgewandelt und von Jahrhundert zu Jahrhundert neue Normen und Regeln für sich geformt je nach kulturellem Kreislauf.

Die Frage die das Buch bei mir aufwirft ist: Haben wir es übertrieben mit dem Umwandeln der moralischen Normen ? Sind wir gar übermoralisch geworden ? Muss ich wirklich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich in Zeiten von Massentierhaltung und ihren schrecklichen Folgen Fleisch und Eier esse ? Schnell wird man im Restaurant oder an der Supermarktkasse schief angesehen wenn man 1kg Fleisch aufs Band legt. Einige fühlen sich geradezu berufen den Rest der Menschheit zu bekehren. Genauso verhält es sich oft mit fanatischen Fahrradfahrern die an jeder Ampel strafend auf die Autoschlange herab blicken oder anderen Müttern die dich mit ihren Blicken erdolchen wenn du deinem Kind an der Quengelkasse Süßigkeiten kaufst. Da muss man sich dann anhören das es ja kein wunder ist wenn dein Kind kein zweiter Mozart oder Picasso oder Topmanager wird. Das normale Mittelmaß scheint keinem mehr auszureichen. Es muss immer schneller, höher weiter gehen. Diese Kultur des Neides auf andere wird immer weiter kultiviert. Anstatt sich auf sich zu konzentrieren und mit sich im Reinen zu sein.

Man soll nicht die Augen vor der Schrecklichkeit der Welt verschließen. Aber man muss auch nicht bei jeder vermeintlichen Untat des Nachbarn den mahnenden Zeigefinger erheben. Manchmal tut man auch etwas Gutes indem man mal fünfe gerade sein lässt. Damit schafft man auch Raum für Diskussion und verhärtet nicht sofort mit dem Holzhammer die Fronten.
Ich bin auch für eine bessere Welt, ich bin auch dafür das wir ökologischer Leben, das unsere Kinder glücklich werden und Massentierhaltung und Fleischvielfraß abgeschafft werden, aber nicht auf kosten sämtlicher Lebensfreiheiten und Toleranz. Gerade die, die am meisten Toleranz einfordern sind oft die intolerantesten wenn es um Dinge geht die nicht in ihr Konzept passen. Man konnte die Welt noch nie über Nacht verändern. Große Veränderungen brauchen auch viel Zeit. Mit strengen Normen und diktatorischen Glaubenssätzen zwingt man den Menschen all zu schnell etwas auf hinter dem sie nicht stehen.

Um so wichtiger ist es, dass es Menschen gibt die für ihre Überzeugungen einstehen. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Gutmenschen oder moralische Weltverbesserer. Im Gegenteil. Sie sind genauso wichtig wie Pessimisten und Schwarzseher, denn sie halten uns immer wieder den Spiegel vor und erinnern uns an unsere guten Vorsätze. Sie verkörpern Extreme so das wir uns in der Mitte einpendeln können. Jeder auf seiner Höhe und nach seinen Möglichkeiten. Dafür sind sie unverzichtbar. Das bewegt etwas.

Wenn jetzt Günther Ogger von einer Diktatur der Moral spricht, dann denke ich das wir bei Moral immer noch eine Wahl haben, ob wir diese in uns aufnehmen oder nicht. Ob wir sie zu unserer eigenen machen oder uns nur ein Stückchen davon abschneiden. Auf jeden Fall macht es die Welt nicht unbedingt schlechter, wenn man die Finger von Extremen lässt. Denn schnell schlägt so etwas um. Ich denke da nur an die Diskussion um die gleichgeschlechtliche Ehe. Wie schnell sich in der heutigen Zeit die Welt in zwei Lager spalten kann. Der Gedanke sich mit Biolebensmitteln und exzessivem Sport oder materiellem Erfolg davon frei zu kaufen ist da wohl all zu einfach. Schaut her, ich trage ein Rainbowshrirt auf meiner Joggingrunde, trinke danach einen probiotischen Smoothie und rette danach die Wale indem ich bei Geenpeace spende. Ich muss mir also keine Gedanken machen. Ich bin ein guter Mensch, die anderen die sollen mir das erstmal nachmachen.

Doch so einfach ist das nicht. Natürlich ist auch dieses Engagement lohnenswert. Denn es ist besser als gar keins. Deswegen möchte ich auch diese Menschen nicht verurteilen sondern ihnen Danken, denn durch sie rückt so etwas ins Bewusstsein. Natürlich könnte man auch hier sagen das ist diktatorische Moral. Man muss so sein, sonst fällt man aus der neuen Norm. Aber mal ehrlich so etwas hat es schon immer gegeben. Schon immer snd Leute aufgefallen, haben sich nicht an die Spielregeln gehalten oder waren besonders extrem in ihren Ansichten. Die Kunst bestand doch schon immer darin, den goldenen Mittelweg zu finden. Es ist heute nur vergleichsweise schwieriger geworden. Manchmal sollte es auch einfach mal in Ordnung sein nicht die Meinung aller zu teilen. Das muss man akzeptieren. Dann ist das eben so. So lange niemand in seiner Freiheit durch die Moral oder Meinung eines anderen stark eingeschränkt oder verletzt wird finde ich das ok. Denn wir dürfen das erste Gebot unserer Demokratie nicht vergessen und die Moral ist ein Bestandteil davon.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Jetzt bin ich gespannt was Günther Ogger in seinem Buch dazu sagt. Ihr findet es hier* erschienen bei dtv und als ebook. Ich habe es noch nicht gelesen. Das Thema hat einfach meine Gedanken angeregt und deswegen wollte ich eine Art Gedankenpost darüber schreiben.

Ihr findet dazu auch eine Diskussionsrunde bei dtv hier*
und eine Fragerunde mit dem Autor auf lovelybooks hier*

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.
 Bloggerparade Günter Ogger "Die Diktatur der Moral" ?

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