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Rezension zu Hellwach

Hellwach
Achtung Spoiler Spoiler und noch mehr Spoiler !

Dieses Buch hat mich echt Nerven gekostet und das nicht weil es nicht gut war, aber es war unerwartet. Es war so anders als ich gedacht hatte. Ich habe das Buch bei Lovelybooks zur Leserunde gewonnen. Vielen Dank noch einmal dafür.
Angekündigt wurde es als leichter Feel-Good Roman. Perfekt für den Sommer, da es um Kiri geht die ihre Sommerferien alleine verbringen muss. Ihre Eltern sind auf einer Kreuzfahrt und ihr großer Bruder hat keine Zeit für sie. Ausserdem ist sie eigentlich schwer beschäftigt da sie für einen wichtigen Klavierwettbewerb übt und da ist ja auch noch Lukas ihr bester Freund mit dem sie an einem Bandwettbewerb teilnimmt und in den sie heimlich ein bisschen verknallt ist. Alles in allem könnte das Kiris perfekter Sommer werden, doch dann kommt alles ganz anders. Plötzlich ruft ein fremder Mann an und sagt er habe noch Sachen von ihrer Schwester. Ihrer toten Schwester. Der Anruf reißt Kiri völlig aus der Bahn. Die brave Tochter die zielstrebig Klavier übt und immer lieb ist gibt es plötzlich nicht mehr. Vielleicht hatte es sie aber auch nie gegeben. Kiri reißt sich selbst in einen Strudel aus Drogenkonsum und Verrücktheiten und merkt selber erst ziemlich spät das mit ihr etwas nicht stimmt.

Es ist ein Roman über den man eigentlich gar keine "normale" Rezension schreiben kann. Der Drogenkonsum in dem Buch, der oft als etwas zu leicht und fluffig beschrieben wird ist nicht gerade das was ich mir unter Jugendroman und Feel-Good vorstelle. Es entspricht zwar leider heute der Realität das es "In" ist zu kiffen und auch Härteres zu konsumieren, trotzdem hätte ich doch starke Bedenken einem 14 Jährigen dieses Buch in die Hand zu drücken. Jedenfalls nicht alleine und ohne weitere Erklärung und die fehlt in dem Buch leider. Jede Art von Droge und dazu gehört auch das Kiffen wirkt in deinem Gehirn. Viele meinen immer Kiffen ist halb so schlimm wäre ja eine natürliche Substanz blablabla. Diese Buch zeigt natürlich auch auf eine eindrucksvolle Weise wie man sich eine drogeninduzierte Psychose schiessen kann. Dafür muss man so etwas nicht mal regelmässig machen. Ich kann nur jedem raten die Finger von dem Zeug zu lassen, wenn ihr euer Bewusstsein erweitern wollt dann lest ein Buch das das tut. Lebt einfach mal aber lasst die Finger von den Drogen den die nehmen euch einen wichtigen Teil Eures Lebens und das sind die echten Emotionen.

In dem Buch geht es aber nicht nur um den ausschweifenden und sehr leichtsinnigen Drogenkonsum. Nein zusätzlichen muss sich unsere Protagonistin noch mit dem  erstmaligen Auftreten einer psychischen Erkrankung herum schlagen. Natürlich fehlt ihr selbst völlig die Einsicht, das dass was sie tut nicht normal ist. Da zunächst niemand da ist dem erste Anzeichen auffallen könnten, ist auch niemand da der gegensteuert. Nicht nur das sie den Tod ihrer Schwester nicht verarbeitet hat, hinzu kommt noch das ihre Eltern ihr darüber die Wahrheit verschwiegen haben. Danach bricht alles über lange Zeit zurückgehaltene aus Kiri hinaus. Der Druck immer die perfekte fügsame Tochter zu sein. Die Hohen Erwartungen an sich selbst und die ihrer Eltern und der strengen Klavierlehrerin. Ihre unerwiderte Schwärmerei für Lukas, der sie abweist. Die Trauer über den Verlust ihrer Schwester und das Unverständnis warum ihre Eltern so damit umgegangen sind. Die schockierende Art und Weise wie sie gestorben ist und das sie Kiri angelogen hatte. Da spielt es auch keine Rolle das sie frisch verliebt ist. Erkrankungen machen auch vor der Liebe nicht halt. Leider.

War Kiri vorher eine Gesellschaftskifferin, zieht sie es jetzt vor, ihre überwältigenden Gefühle mit erhöhten Konsum und Alkohol zu betäuben. Durch den ganzen Druck und Drogenkonsum schläft sie nicht mehr und ist nun vollendet in der manischen Phase gelandet. Eben hellwach. Sie schwingt sich lieber mitten in der Nacht im kurzen Kleidchen auf ihr Fahrrad und fährt im Regen durch den gefährlichsten Stadtteil. Nur Skunk in den sie sich verliebt hat und der ähnliche psychische Probleme hat wie sie, ist eine kleine ruhige Insel in Kiris ansonsten so aufgewühlter Psyche. Doch auch er hat eben sein Päckchen zu tragen, trotzdem ist die Liebesgeschichte der beiden wunderschön. Sie zeigt eben auch wie psychisch Kranke die Welt sehen. Ihre eigene Welt. Ich denke das Buch kann dafür ein Anker sein. Was ist denn schon vermeintlich "normal"? Jeder der keine psychische Erkrankung hat oder hatte kann das sehr schwer nachvollziehen. Oft wird diesen Thema totgeschwiegen. man will eben kein Spats oder Freak sein. Doch gerade in der Teenagerzeit manifestieren sich oft solche psychischen Probleme.

Das Buch beschreibt in wunderbaren Worten was in einem erkrankten Menschen für Gefühle und Gedanken vor sich gehen. Es beschreibt die widersprüchlichen Gefühle. Das der Erkrankte eigentlich schon merkt das das, was er tut nicht unbedingt gut ist aber auch irgendwo nicht anders kann und wie schwer es ist dort wieder einen Weg für sich zu finden. Das man selber oft gar nicht mitbekommt was man da eigentlich wirklich tut. Das Kiri versucht es zurückzuhalten und zu vertuschen weil sie schon merkt das andere ihr Verhalten komisch finden. Das eben auch nicht immer die Krankheit eine Rolle spielt. Das es durchaus schöne Momente gibt. Momente der Hoffnung. Das man nicht einfach "nur" ein Freak ist. Kiri und Skunk schaffen es ja immerhin zum Bandwettbewerb und sind richtig gut. Ich denke das das einem betroffenen Jugendlichen auch Mut machen könnte wenn er so etwas liest.

Wenn mit Drogen in dem Buch kritischer umgegangen würde wäre es eine Verzerrung der Realität wie sie einfach in vielen Fällen wirklich ist. Das uns das nicht gefällt ändert nichts daran das es genau so tagtäglich passiert. Es ist wie eine Mahnung schau richtig hin! Geht es deinem Kind , deinem Freund usw. wirklich so gut wie er immer behauptet? Ob das nun unbedingt in einem Jugendroman verpackt werden muss? Ich finde es sollten eher die Erwachsenen lesen damit sie sich besser in die Welt ihres erkrankten Kindes einfühlen können. Ich würde an Stelle des Verlages die Altersangabe noch einmal überdenken und vielleicht ein Vorwort o.ä. einfügen und vielleicht sogar am Ende eine Hotlinenummer bei der sich Betroffene melden können.

Hellwach überrascht also mit ernstem Thema das nicht immer überzeugend verpackt ist. Dabei ist es aber so wunderschön bildhaft und flüssig geschrieben das ich immer weiter lesen wollte obwohl ich Kiri am liebsten bei jeder zweiten Seite geschüttelt hätte. Das Knallbonbon Cover sprach mich zuerst gar nicht an. Ich fand es nichts sagend. Im Nachhinein muss ich aber sagen das es zu dem Buch passt. Es ist genauso abstrakt, chaotisch und bunt wie die Probleme die auf Kiri im Buch warten.

Macht euch ein eigenes Bild

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Rezension zu Hellwach

Kommentare

  1. Sehr schöne Rezension. Finde deine Gedanken gang echt toll! Das du noch einmal erwähnst das Kiffen nicht auf die leichter Schulter zu nehmen ist und das Buch eher ein anders FK bekommen sollte finde ich eine schöne Ergänzung! Das Buch ist nun auf meine WullI gelandet :) Als Teenie hatte ich damals auch ein Buch über Drogen gelesen und war von Inhalt so ähnlich, ich war froh das wir es in der Schule erörtert haben! Und ich mich nicht alleine mit den Text auseinander setzten musste.

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    1. Hey schön das es dir gefällt ;-) Vielen Dank

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