Samstag, 13. Juni 2015

Kurzgeschichte Part 4

Wer die vorherigen Teile noch nicht gelesen hat der schaue einmal hier :

Die Kathedrale der Bäume - Part 4


Ein paar Tage später ging Lizzy wieder zu ihren Bäumen. Es regnete in Strömen aber das war ihr egal. Der Tag war wieder einmal schrecklich gewesen. Nicht nur das ihre Eltern sich den ganzen Tag angefaucht hatten, sie hatte auch vergessen ein Referat für die Schule vorzubereiten und hatte den ganzen Tag in ihrem Zimmer büffeln müssen. Deswegen wurde es jetzt höchste Zeit für etwas Entspannung. Normalerweise ging sie so spät am Tag und bei solchem Wetter nicht mehr raus aber sie brauchte das jetzt einfach.
Bei den Bäumen angekommen merkte Lizzy das schon jemand vor ihr hier gewesen sein musste. Da waren Fußabdrücke im Gras. Es wurde fast schon dunkel und sie beschlich ein ungutes Gefühl. Sie war eindeutig überspannt , dachte sie beschloss aber vorsichtig zu sein.
Anstatt direkt unter die Bäume zu laufen, blickte sie erst durch den Blättervorhang. Sie sah einen Jungen mit schwarzen strubbeligen Haaren, seine Kleidung sah alt und etwas abgerissen aus und er war viel zu kalt angezogen für das Wetter. Aber er sah gut aus. Sie schätze das er älter war als sie. Er trug nur einen blauen verwaschenen Pullover und Jeans obwohl es regnete und keine Jacke, so das ihm das Wasser aus den Haarspitzen ins Gesicht tropfte. Er war lässig an einen der großen Bäume gelehnt und blickte gedankenverloren in die Baumkrone, hin und wieder legte er den Kopf leicht schief als würde er auf etwas lauschen. Lizzy hob die Hand , um den Ast der sie verdeckte leicht zu verschieben damit sie mehr sehen konnte aber offensichtlich hatte die leichte Bewegung schon die Aufmerksamkeit des Jungen erregt. Er blickte in ihre Richtung und sie sah in zwei blitzende blaue Augen. 
Er war wie ein Eichhörnchen, bewegte sich blitzschnell und sprang zwischen die Blätter hinter den Baum und wollte wegrennen. Lizzy rannte so schnell sie konnte an die Stelle wo er verschwunden war und sprang ohne Rücksicht auf Verluste ebenfalls ins Astwerk. Die Blätter peitschen ihr ins Gesicht und ein Ast schrammte über ihre Wange aber sie musste den Jungen unbedingt noch erwischen. Sie musste, irgendetwas trieb sie an wie eine aufgezogene Sprungfeder. Der Junge rannte jetzt vor ihr über die Wiese Richtung Wald. 
>> Hey warte, ich tu dir doch nichts, bitte warte, ich will nur mit dir reden<< rief Lizzy hinter ihm her. 
>> Bitte ich mag die Bäume auch so sehr, ich will nur wissen was du an meinem Lieblingsort machst ? << 
Der Junge hatte den Waldrand erreicht und schlüpfte schnell hinter einen großen Holunderbusch blieb aber  plötzlich stehen und lugte um die Ecke des Busches herum. 
>> Dein Lieblingsort?<< seine Stimme klang dunkel und sie jagte Lizzy einen Schauer über den Rücken. 
>> Ja meinen Lieblingsort. Ich gehe fast jeden Tag zu den drei Bäumen, hat irgendwie eine beruhigende Wirkung auf mich. Zu Hause läuft’s grad nicht so gut. << 
Lizzy blickte jetzt auf den Boden und wurde leicht rot, man wieso erzähl ich das einem völlig Fremden ? Der denkt doch ich bin bescheuert und hab sie nicht mehr alle und noch dazu einem so süßen Jungen, schoss ihr der Gedanke durch den Kopf. Am liebsten hätte sie sich mit der flachen Hand vor die Stirn geklatscht. Warum fielen ihr nie die richtigen Worte ein wenn sie mit Jungs sprach? 
Der Junge war jetzt wieder hinter dem Busch hervor gekommen, stand allerdings mit gehörigem Sicherheitsabstand vor ihr. Er war einen Kopf größer als sie und muskulös gebaut, er sah auf jeden Fall nicht aus wie die videospielenden Milchbubis aus ihrer Schule und auch nicht wie einer von den narzisstischen Pumpern aus dem Fitnessstudio, obwohl er zweifellos fit war. Das hatte auch der Sprint den sie beide gerade hingelegt hatten bewiesen. Seine faszinierenden blauen Augen fixierten ihre und ihr lief dabei ein Schauer über den Rücken, so dass sie eine Gänsehaut auf den Unterarmen bekam. 
>> Was weisst du von den Bäumen ?<< sagte er jetzt in einem misstrauischen Ton. 
>> Sag schon oder ich bin weg!<<
 >> Was soll das heissen was weiss ich VON den Bäumen? Es sind Bäume und ich mag sie und finde den Ort wunderschön ! Sie sind etwas besonderes für mich und ich habe noch nie jemand anderen dort getroffen und du scheinst….. Irgendwie…… mit ihnen verbunden zu sein und .. Ach ich weiss auch nicht entschuldige das ich dir hinterher gerannt bin. << 
Lizzy drehte sich um und wollte davon gehen aber der Junge lief nun diesmal hinter ihr her und faste sie an der Schulter um sie aufzuhalten und wieder zu sich um zu drehen. Es gab einen Schlag durch ihren Körper als wären sie elektrisch aufgeladen, mit einem Schmerzensschrei fasste sie sich an die Schulter, er schüttelte seine Hand hin und her als ob er sich verbrannt hätte. 
>>Aua du bist ja volle Kanne elektrisch!>>
<< Du auch falls du es bemerkt haben solltest. Du bist ganz schön …. Naja, Ich glaub nicht das ich dich mögen werde >> ,sagt er, aber ich muss wissen was da hinter steckt und warum die Bäume dich dulden. 
<< Bitte was ?>> 
<< Was heisst denn bitte dulden, es sind Bäume? >>
<< Jajajaj es sind nur Bäume>> ,jetzt lächelte er verschmitzt und Lizzy musste zugeben das es ein Lächeln zum dahinschmelzen war, er hatte grade weisse Zähne. 
<< Irgendwie hab ich das Gefühl du nimmst mich nicht ernst !>> 
<< Und ich hab das Gefühl du weisst überhaupt nicht worum es hier geht! >>
<< Na dann klär mich doch auf ? >>
<< So einfach ist das nicht und überhaupt weiss ich ja nicht mal wer du bist ! >>
Ihre Blicke bohrte sich ineinander, er hatte jetzt die Stirn gerunzelt und Lizzy blickte ihn herausfordernd an. Schließlich machte er eine hilflose Geste, zog die Schultern nach oben und ließ die Arme wieder sinken. 
>> Ich bin Rob << 
Lizzy konnte sich nicht helfen aber diese plötzliche hilflose Geste brachte sie einfach zum lachen. Außerdem war sein Lächeln und das Blitzen in seinen blauen Augen wirklich zum dahin schmelzen. 
>> O.K. Rob ich bin Lizzy<< Und jetzt? Gehen wir zurück unter die Bäume ? Da werden wir auch nicht so nass! >>
<< Ok die Idee ist gar nicht schlecht, außerdem kann ich dann direkt sehen was sie von dir halten. >>
<< Wer sind sie ? >>
<< Na die Bäume ? >>
<< Sag mal irgendwie wirst du mir grade wieder unheimlich. >>
<< Ach Quatsch, es hat wohl seinen Grund warum sie dich ausgewählt haben, aber du scheinst völlig unwissend zu sein >>, murmelte Rob aber mehr zu sich selbst als zu Lizzy. 
<< Völlig unwissend ? Was soll denn das schon wieder bedeuten? Ich verstehe echt langsam nur noch Bahnhof.>> In der Zwischenzeit hatten sie sich wieder in Bewegung gesetzt und hatten die Bäume fast erreicht. 
<< Willst du etwa sagen die Bäume hätten so eine Art Bewusstsein? Bist du in einer durchgeknallten Hippiekommune oder so ? Oder sind es doch Drogen die du nimmst ? >>
<< Hör auf zu zetern. Wusste ich doch das ich dich nicht unbedingt mögen würde obwohl du ganz passabel aussiehst.>>  
Mit diesen Worte ging Rob durch den Blättervorhang unter die Bäume ins Innere IHRER Kathedrale,ihres heiligen Ortes wo sie sich immer so sicher und beschützt gefühlt hatte, die sie an jedem traurigen dunklen Tag aufgeheitert hatte und auf einmal hatte sie das Gefühl das sie diesen Ort überhaupt nicht kannte, dass er sich von jetzt auf gleich verändert hatte und nie wieder sein würde wie zuvor. 
Hatte er gerade gesagt das sie ganz gut aussah? Lizzy schüttelte ihren Kopf hin und her wie ein nasser Hund. Schluss jetzt mit diesem Teeniegeschwärme Lizzy , schalt sie sich selber in Gedanken. Du wirst jetzt da rein gehen und in Erfahrung bringen was es mit den wilden Geschichten dieses komischen, wenn auch sehr gut aussehenden Jungen auf sich hat oder du wirst ihn wegekeln und dir deinen Lieblingsplatz zurück erobern. Punkt ! 
Lizzy drückte den Rücken durch und straffte die Schultern und hob mit den Armen die klatschnassen Äste an, um unter die Bäume zu gelangen. Im Inneren waren sie vor dem Regen ziemlich gut geschützt, durch das dichte Blätterdach tropfte es nur hin und wieder. Allerdings war die anhaltende Feuchtigkeit schon in den Boden gekrochen, an Hinsetzen war also nicht zu denken. Sie sah sich um und suchte nach Rob. Durch den bewölkten regnerischen Himmel war der Tag heute sehr dunkel und durch das dichte Blätterdach kam nur gedämpftes grünes Licht. Alles sah ein bisschen aus wie in einer Feenwelt, nur das es  zu nass und ziemlich kalt für eine Traumwelt ist, dachte sie. 
Rob stand am Baum der am weitesten von ihr weg war. Es war die größte der Kastanien. Er hatte beide Hände flach an den Baumstamm gelegt, hielt die Augen geschlossen und den Kopf wieder leicht gesenkt als würde er auf etwas lauschen.
 << Was machst du da eigentlich ? <<
 << Schhhhhhtttt! Ich frage ihn gerade was es mit dir auf sich hat.<<
<< Bitte was?? Du bist echt total verrückt! >>
Der ist einfach total gaga, was hab ich mir nur dabei gedacht. Lizzy fluchte vor sich hin aber merkwürdigerweise hatte sie kein bisschen Angst vor Rob. Irgendwie hatte sie ein Gefühl, als stünde sie kurz davor ein Geheimnis auf zu decken nach dem sie gesucht hatte ohne es zu wissen und diese Suche hatte sie immer wieder an diesen Ort geführt. Ohne das sie sagen konnte was es war, hatte es sie ja immer wieder hier hin gezogen und sie hatte innerlich immer auf etwas gewartet, aber nie gewusst vorauf eigentlich. Vielleicht kam ja jetzt endlich Licht ins dunkel, so verrückt das auch alles klang. Irgendwie hatte sie auch bei Rob das Gefühl, dass sie ihm vertrauen könnte obwohl sie ihn noch keine zwei Minuten kannte.
Rob schien mit seinem lautlosen Baumgespräch endlich fertig zu sein, er hatte seine Hände vom Baum gelöst und war auf sie zu gekommen und stand jetzt nur eine Armlänge von ihr weg. So nah hatte er bis jetzt noch nicht vor ihr gestanden und sie sah nun, dasd sein Teint etwas dunkler war, sonnengebräunt und das er Sommersprossen auf der Nase hatte. Regentropfen hatten sich in seinen langen schwarzen Wimpern verfangen und seine blauen Augen zogen sie auf eine magische Weise an. Er blickte mit einem fragenden Blick auf sie herunter. 
<< Ich werde versuchen es dir zu erklären aber du darfst mich nicht für einen verrückten Spinner halten. Bitte lass mich ausreden und hör dir alles an, danach kannst du gerne wie von der Tarantel gestochen nach Hause laufen und alles googeln was ich gesagt habe. Du wirst sogar ziemlich viel darüber finden, dass habe ich nämlich auch ,wie Aesculus das erste mal mit mir Kontakt aufgenommen hat. 
<< Wer ist Aesculus und wovon redest du überhaupt ? >>
<< Na ER ist Aesculus ! >> Rob drehte sich halb um und zeigte auf die große Kastanie hinter ihm. 
<< Bitte was? Das ist ein Baum ! >>
<< Ja und Nein, er ist nicht einfach nur ein Baum sonder ein Naturgeist, ein magisches Wesen der alten Mutter und er beherbergt unendliches Wissen.  Er ist der Hüter dieses Ortes und einer der letzten Castanea. >>
<< Waaaas du willst mich doch verarschen. >>
<< Ich hab doch gesagt du sollst mir zuhören bis ich fertig bin dann kannst du mir immer noch sagen das ich ein Arsch und verrückt bin. >>

<< Ich hab nicht gesagt das du ein Arsch bist aber ich denke du bist absolut verrückt! >>

to be continued.....

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