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Rezension ' Das Büro der einsamen Toten '



Das wunderschön gestaltete Cover hat mich an diesem Buch angezogen. Die Waffe mit dem holländischen Porzellanmuster beschreibt sehr gut was einen zuerst im Buch erwartet. Ein gemütlicher Provinzkrimi mit etwas schrulligen Charakteren und einer Portion Spannung.
Denkste!  Auf ca. 380 Seiten erwartet dich viel, viel mehr. Was wie eine schöne Detektivgeschichte beginnt, entpuppt sich als knallharter Politthriller mit mehreren Handlungsträngen. Antiterror und Geheimdienst lässt grüßen und mitten drin Pieter Posthumus, der Beamten aus dem Büro der einsamen Toten. Der eigentlich nichts weiter will als alle Ungereimtheiten auszuräumen und den Toten ein würdiges Begräbnis zu geben. Das er dabei in ein Wespennest sticht bemerkt er als allerletztes.
Das Buch beginnt mit dem Weg einer namenlosen Leiche. Die eines jungen Mannes im traditionellem marokkanischem Gewand. Die Leiche schwimmt im Kanal treibt dort wie ein lebloses Stück Holz.
Danach lernt der Leser Pieter Posthumus und seine Arbeit kennen. Posthumus verzettelt sich gerne, steckt seine Nase übertrieben in Details. Seine Kollegen und auch Freunde sind genervt. Er macht einen grüblerischen und einsamen Eindruck obwohl er das nicht zugeben will. Er wächst einem sofort an Herz. Er ist der übertrieben, gründliche Beamte dem man nicht begegnen will, wenn man vor der Stadtkasse etwas zu verbergen hat, den sich aber jeder auf seiner Seite wünscht wenn es unangenehm Aufgaben zu erledigen gilt.

Danach macht das Buch einen Schnitt zur Antiterroreinheit des holländischen Inlandschutzes. Diese Sachen sind im Buch frei erfunden. Ob es in Holland ähnliche echte Strukturen gibt weiß ich nicht. Im Buch wirkt alles schlüssig. Eine Terrorzelle wird wieder frei gelassen. Die ganze Arbeit war umsonst. Das Antiterrorteam ist sauer und ihr Chef tobt. Er ist ein harter Hund aber scheint dubiose Methoden anzuwenden ? Hier tut sich eine völlig neue Handlung in der Geschichte  auf, bei der noch nicht klar wird wie das mit Posthumus zusammen passt.

Dann findet ein erneuter Schnitt statt und wir lernen eine Marokkanische Familie kennen. Mit ihren Sorgen,Nöten und Problemen. Die Geschichte der Einwanderung der Eltern und was für Probleme die nachwachsende Generation der Kinder mit ihrer Identität und ihrem Glauben hat. Es geht um Integration und Klassenunterschiede, um Vorurteile und Integrationprobleme. Die Geschichte die ich zunächst für eine Art reinen Kriminal- oder Detektivroman gehalten habe, entpuppt sich als viel vielschichtiger. Es ist alles sehr gefühlvoll und vor allem wertfrei beschrieben.

Alle Kapitel sind nicht mit Überschriften, sondern mit Datumsangaben getrennt. z.B. Donnerstag 9. Juni. Das erweckt beim Leser den Eindruck, man arbeitet auf etwas hin. Etwas wird passieren. Durch das Kapitel mit der Antiterroreinheit befürchtet man eine Bombe. Man wartet aber auch darauf das sich die Identität des Toten vom Anfang klärt und fragt sich immer wieder wie alles zusammen passt. Durch die Kapitel mit der marokkanischen Familie verbindet sich so langsam die Ahnung das der Tote ein Bekannter der Familie sein könnte und da der Sohn der Familie etwas mit der ganzen Sache zu tun haben scheint, schließt sich hier langsam ein Kreis.
Von da an wird es so richtig zum spannenden Politthriller. Das Buch zwirbelt also drei verschiedene Haupthandlungen im Höhepunkt zusammen. Man merkt je weiter man liest das es sich immer schneller dreht. Wer war der unbekannte Tote ? Wird es der Antiterroreinheit gelingen das schlimmste zu verhindern ? Was hat der Sohn der marokkanischen Familie damit zu tun und am allerwichtigsten wird Pieter Posthumus es schaffen alle Fäden zusammen zu führen ohne das jemand am Ende Schaden nimmt und kann er dann noch gemütlich einen Wein trinken ?
Im Buch kommen immer wieder kleine Momente zum Schmunzelt und die braucht man bei den vielen ernsten und sehr spannenden Passagen auch. Es war keine leichte Kost aber sehr gut zu lesen. Alles wurde dann auch noch durch den Amsterdamer Flair zusammen gehalten. Es hat nicht den extravaganten Hauch von Venedig aber den gemütlichen Charme einer warmen Landpartie mit dem Fahrrad.

Zum Buch erschienen bei Hoffman und Campe geht es hier *
Ich wünsche euch einen holländischen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Rezension ' Das Büro der einsamen Toten '

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