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Rezension ' Weiße Magie - mordsgünstig'



Dieses Buch war mal wieder ein totaler Coverkauf. Ich weiß steinigt mich, weil ich immer so oberflächlich bin und mich von schönen glitzernden, bunten Einbänden, zarten Lesebändchen und wunderschönen Illustrationen einlullen lasse. Es ist aber einfach so. Ist das Cover total grau und nichtssagend, dann fällt es mir einfach nicht auf. Da muss ich das Buch sonst schon gezielt suchen, weil ich etwas gutes darüber gehört haben. Bei Spontankäufen, geht es bei mir zu 99% nach dem Cover und ich habe sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen mit den Büchern gemacht die dadurch in meinen Händen gelandet sind. Dieses hier war eine sehr gute Erfahrung.

Das es dabei um einen Mord mit Tarotkarten geht, fand ich noch interessanter. Jetzt bin ich zwar vom Okkulten so weit entfernt wie ein Marshmallow zum Mond aber das heißt nicht, dass ich mich dafür nicht interessiere. Gerade wenn man skeptisch ist, weil man etwas nicht versteht, sollte man sich damit beschäftigen finde ich. Selbst ich bin stolze Besitzerin eines Tarotkartendecks was ich nur einmal ausgepackt haben ;-) Dabei glaube ich nicht das es übersinnlicher Fähigkeiten bedarf sondern einfach nur guter Menschenkenntnis, um jemandem die Karten zu legen. Interessant daran ist ja eher was verrät mir die Frage die ich den Karten stelle über mich selbst ? Wie wünsche ich mir die Antwort die mir die Karten geben ? Dann brauche ich sie mir nämlich gar nicht mehr zu legen, ich habe meine Antwort gefunden.

Im Buch erfährt unsere Protagonistin Alanis das ihre Mutter ermordet wurde. Diese hat sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen, weil sie unschön auseinander gingen. Auf einmal erfährt sie das ihre Mutter ihr einen kleinen Hexenladen in der Kleinstadt Berdache vererbt hat. Das lässt sie nichts Gutes ahnen, denn ihre Mutter war eine in mehreren Bundesstaaten gesuchte Trickbetrügerin und Alanis befürchtet, dass sie beim Kartenlegen den falschen übers Ohr gehauen hat. Trotz allem was passiert ist zieht es Alanis an den Ort des Geschehens. Sie will den Mörder ihrer Mutter entlarven und übernimmt kurzfristig den Laden. Sie hat zwar keine Ahnung vom Tarot, aber die spezielle Erziehung die sie bei ihrer Mutter genossen hat, macht es ihr leicht sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Der Einstieg ins Buch ging unheimlich leicht. Alanis ist zwar nicht die sympathischste Protagonistin aber sie ist entwaffnend ehrlich. Ohne Beschönigungen und mit sehr sarkastischem Unterton wird das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter erzählt. Obwohl sie zweifellos eine sehr intelligente Frau ist und viel mehr aus sich heraus holen könnte, lehnt sie ihre Fähigkeiten als zweifelhaftes Erbe ihrer Mutter ab. Jede Tochter kennt wohl das Problem das man nicht so sein oder werden möchte wie seine Mutter. Bei Alanis ist das aber eine ganz andere Stufe, denn wenn man eine Mutter wie sie hatte dann bleibt einem nur noch der rabenschwarze Humor übrig. Sie verbindet mit sich und ihren Fähigkeiten etwas negatives, weil ihre Mutter dieselben Fähigkeiten für Lug und Betrug nutzte. Im Buch kann sie sie zum ersten mal für etwas positives Einsetzten, nämlich den Mörder ihrer Mutter zu finden und ihre Betrugsopfer zu entschädigen. Das erscheint mir auch der Grund, warum es sie nach 20 Jahren dann doch an den Ort des Geschehens zieht, denn eigentlich hatte sie mit ihrer Mutter abgeschlossen und ihre Mutter wohl auch mit ihr. Doch ein Funke glimmt in Alanis der sie voran treibt. Sie weiß selber nicht so genau warum. Es scheint als hätte sie die letzten 20 Jahre unter einer Käseglocke gelebt und eine Maske getragen und nun ist sie auf der Suche.
Man geht also mit unserer Protagonistin nicht nur auf die Suche nach dem Mörder sondern auch auf die Suche nach ihrer eigenen Identität.

Das Tarot ist dabei der rote Faden durchs Buch. Jedes Kapitel beginnt mit einer neuen Tarotkarte, die stellvertretend für den Inhalt oder ein Ereignis im nächsten Kapitel steht. Die Karten sind dabei nach dem klassischen Ryder Tarot illustriert. Auch die Kartenlegesessions die Alanis im Buch durchführt sind illustriert, so dass man das Legesystem im Buch vor sich sieht, als säße man mit am Tisch. Das hat mich in die richtige Atmosphäre versetzt. Da Alanis auch keinen blassen Schimmer vom Tarot hat, braucht der Leser das auch nicht. Alles ist im Buch selbsterklärend. Dadurch das Alanis als Protagonistin so bodenständig und skeptisch ist, hat das Buch übrigens keinen Hauch von Esoterik abbekommen. Es ist wirklich durch und durch ein Kriminalroman. Für Alanis ist das Kartenlegen nur ein Mittel zum Zweck. Ihre sarkastische und humorvolle Sichtweise auf die Welt hat mir gefallen, auch der Hauch von schwarzem Humor. Sie ist sehr durchsetzungsfähig und mutig, verlässt sich ganz darauf das sie die Leute anhand ihrer Erfahrungen in der Trickbetrügerszene durchschaut. Ausserdem ist sie eine scharfe Beobachterin und kennt keine Hemmungen. Sie erinnert als Protagonistin ein bisschen an einen weiblichen Sherlock.

Im Buch darf natürlich auch das knistern der Liebe nicht fehlen. Ja es gibt da jemanden. Mehr verrate ich aber nicht. Diese zusätzliche Komponente wird immer mal wieder eingestreut, weil es dort auch um Informationsaustausch geht. Mir hat sie zusätzlich Spass gemacht beim lesen und sie hat für Überraschungen beim Showdown gesorgt. Im Buch wechseln sich aktuelle Ermittlungen immer wieder mit Rückblicken in Alanis Kindheit und diesen kleinen Liebesszenen ab. Das war eine gute Mischung. Alanis hatte zwar eine kriminelle Kindheit aber es gibt in ihr auch eine Stimme der Vernunft. Sie ist nicht völlig Gewissenlos, wie ihre Mutter. Nach und nach erfahren wir an den Rückblickszenen warum Alanis ist wie sie ist, und was damals zwischen ihr und ihrer Mutter passiert ist. Sagen wir mal so, es ist schon starker Tobak. Mit manchem hätte ich nicht gerechnet mit anderem schon. Die ganze Geschichte ist gut durchdacht und erklärt so auch Alanis Sichtweise auf Leben.

Mit den perfiden Trickbetrügermethoden die sie quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat versucht Alanis den Täter zu entlarven und sie lässt sich weder durch die Lovestory, noch durch Drohungen davon abhalten. Die Geschichte wird richtig spannend und hält mehrere Wendungen für uns bereit. Über allem schwebt die Frage, ob Alanis aus den Schatten der Vergangenheit heraus treten kann. Kann man seine Kindheitsprägungen missachten ? Kann sie sich von ihrer Mutter endgültig befreien wenn sie ihren Mörder findet ? Alanis versucht es, auch wenn sie mit all ihren Fähigkeiten ihrer Mutter ähnlicher ist, als ihr lieb ist. Deswegen sind die Kindheitserinnerungen auch immer so erzählt das ein Abstand zischen Alanis und "dem Mädchen" in den Rückblicken entsteht. Im Buch macht Alanis dann eine Entwicklung durch, sie taut auf und entwickelt Gefühle die sie längst verloren glaubte und spürt zum ersten mal wieder so etwas wie Glück. Die Lösung des Falles ist dann einfach phantastisch auch das Ende mit Hoffnungsschimmer für Alanis. Ausserdem wird es noch einmal arg spannend und richtig gefährlich für sie. Sie hatte es wirklich nicht leicht im Leben, hat viel verloren und am Ende noch etwas dazu gewonnen. Den Frieden mit sich selbst.

Zum Buch erschienen im dtv gehts hier *
Zum Autor Steve Hockensmith der noch mehr tolle Kriminalromane geschrieben hat geht es hier *

Ich wünsche euch einen mordsmässigen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Rezension ' Weiße Magie - mordsgünstig'

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