Donnerstag, 8. Oktober 2015

Rezension ' Der Rithmatist '


Der Rithmatist von Brandon Sanderson war ein absoluter Glücksgriff kann ich vorne weg sagen. Ich hatte ihn bei einer Buchbloggerkollegin entdeckt. Leider weiß ich nicht mehr beim wem. Ich hatte noch nicht viel davon gehört nur das sie absolut begeistert war. Darum fragte ich an, ob ich ein Rezensionsexemplar bekommen könnte und siehe da. Es ist wirklich ein tolles Hardcover. Sehr gut gebunden und auch wenn der Kreis auf dem Coverbild zu erst auf die falsche Fährte lockte, es könnte ein Astrologischer Kreis mit Sternzeichen sein ( ist es nicht! ), finde ich es sehr passend zum Inhalt. Genau so hochwertig wie es von aussen erscheint ist es auch innen. Man findet nicht nur eine Karte innen im Buchdeckel. Man hat auch viele Zeichnungen und wunderschön gestaltete Kapitelnummern. Die Geometrischen Formen der Rithmatistenkreise sind zu jedem Kapitel im Buch eingezeichnet und detailliert beschrieben. So als wäre es ein Lehrbuch für Rithmatisten. Das fand ich besonders schön, weckte es doch in mir die Illusion auch ein Schüler zu sein der im Buch auf der Suche nach Antworten ist.

Die Rithmatisten sind ein ganz eigenes Völkchen. Es sind Menschen die mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind. Sie können Kreidemännchen zum leben erwecken. Sie zeichnen Kreise auf den Boden und duellieren sich. Sie sind Kämpfer. Das ganze hat viel mit Geometrie und Mathematik zu tun aber eben auch mit besonderen Kräften, eben magisch. Wobei das im Buch kein einziges mal als Magie benannt wird. Doch nicht jeder Mensch hat diese besondere Gabe. Joel ist 16 und wünscht sich nichts sehnlicher als auch ein Rithmatist zu sein. Er weiß wirklich absolut alles darüber und kann die komplizierten Kreisformen besser zeichnen wie so manch echter Rithmatist. Doch leider scheint die Gabe an ihm vorbei gegangen zu sein und er ist einfach nur ein Junge. Er lebt an einer der großen Akademien des Landes und geht dort zum normalen Unterricht. Schleicht sich aber heimlich in die Vorlesungen der Rithmatisten. Er ist ein Einzelgänger und das liegt zum Teil auch an den Umständen. Als nun plötzlich besonders begabte Rithmatistenschüler verschwinden und das dazu noch unter sehr mysteriösen Umständen, macht Joel sich mit seiner neugierigen und etwas kratzbürstigen neuen Freundin Melody auf, Licht in die Sache zu bringen. Dabei finden sie Dinge heraus die nicht nur Joel's Welt auf den Kopf stellen sondern auch die der Rithmatisten für immer verändern wird.

Zunächst klingt das nach einem soliden Fantasyroman. Doch die Idee mit den Kreidemännchen fand ich schon sehr besonders. Von etwas vergleichbarem habe ich noch nicht gehört. Wer sich die Geschichte jetzt wie die eines Zauberlehrlings vorstellt, liegt auch völlig falsch mit seiner Einschätzung. Es ist so viel mehr als das und hat mit schnöder Zauberei überhaupt nichts zu tun. Es ist eher eine Wissenschaft die präzise angewendet werden muss.

Man steigt zunächst in eine gefährliche Situation ein und kann sie noch gar nicht richtig einordnen. Der Anfang ist also auf den ersten Seiten etwas verwirrend. Dann wird direkt ein Schnitt gemacht und man befindet sich in der Akademie und lernt Joel kennen. Die Akademie erinnerte mich an einen High School Campus oder eine Eliteuni in England. Man merkt sofort das es eine scharfe Trennung zwischen Rithmatisten und den anderen Schülern gibt. Doch das ist nicht die einzige Trennlinie, denn viele Schüler auf der Akademie sind sehr reich oder kommen aus bedeutenden Familien nur Joel nicht. Deswegen ist er viel alleine oder wird ausgegrenzt. Man fragt sich also zunächst, was er da eigentlich macht und wie er ins Bild passt, doch das ändert sich schnell wenn man tiefer in Sanderson Welt eintaucht. Joel ist so fasziniert von den Rithmatisten das er fast schon verzweifelt ihre Nähe sucht und alles Wissen darüber aufsaugt wie ein Schwamm.  Er ist hochintelligent aber doch so eine sympathische Figur. Sehr ernsthaft und fleißig und absolut eine ehrliche Haut. Fast schon ein Streber der aufpassen muss nicht überheblich zu werden, wenn er etwas besser kann und dabei trotzdem ein kleiner liebevoller Tropf ist.

Sanderson ist wirklich Meister darin einen Mikrokosmos zu erschaffen in dem alles zusammen hängt und einen Sinn ergibt. Eine ganz eigene Welt. Da wird New Amerika zu einer Inselgruppe mit 60 Inseln und 5 großen Rithmatistenakademien.  Besonders schön auch die Details dieser Welt. Die mit Uhrwerken aufgezogenen Lampen, der mit riesigen Spulen fahrende Zug und die viktorianisch anmutende Kleidung mit Stock,Melone und Gehrock. Da erkennt man deutlich ein Steampunk Element. Unterschwellig wird immer wieder ein großer Kampf angedeutet doch man erfährt als Leser nur häppchenweise Hintergründe, genauso wie Joel nicht immer alles heraus finden kann. Die gesellschaftlichen Konventionen zwischen Rithmatisten und "normalen" Menschen sind sehr streng, fast schon wie ein Kastensystem. Es nimmt Joel fast die Hoffnung jemals ein Gelehrter zu werden oder gar Rithmatistik studieren zu können. Er will es nicht akzeptieren und verfolgt seinen Wunschtraum. Du kannst alles schaffen wenn du nur hartnäckig genug daran arbeitest. Keine schlechte Message vor allem für Leute die Probleme in Mathe haben macht das Buch Mut ;-) Ich bewundere ja jeden der in diesem Fach eine Begabung hat wie Joel. Er nimmt für seinen Traum einiges in Kauf.

Spätestens nach dem ersten Duell merkt der Leser das die Rithmatisten keineswegs so zivilisiert sind wie man es an einer Eliteuni erwarten würde. Es steckt eine Wildheit dahinter die es noch faszinierender macht. So kann man Joel noch besser verstehen was er so anziehend an der Sache findet. Man kommt wirklich super ins Buch rein. Der Schreibstil ist sehr ausgereift aber trotzdem nicht zu schwer und lässt sich flüssig lesen. Kontinuierlich wird Spannung aufgebaut und wird man tiefer in die Welt der Rithmatisten gezogen. Schnell gewöhnt man sich an die Eigennamen wie Wehrlinien und Verteidigungskreise und auch wenn ich zuerst Probleme hatte, mir niedliche, weiße, eindimensionale Kreidemännchen, so genannte Kreidlinge als böse Monster vorzustellen, die einem die Haut vom Knochen nagen, war die Idee mit diesen Figuren einfach so was von grandios.

Ich habe wirklich mit Joel mit gelitten, man wünscht sich so sehr, dass es doch irgendwie einen Weg für ihn gibt Rithmatist zu werden. Im Buch gibt es dann eine kleine Wendung die es von einem Fantasy und Abenteuerroman dann noch zu einem Kriminalfall macht. Auch wenn man jetzt denkt das passt vielleicht nicht zusammen, doch das passt sogar sehr gut und bringt erst den richtigen Drive ins Buch. Joel ist sozusagen das Neutrum oder die Schweiz mitten drin. Er ist kein Rithmatist , kennt sich aber hervorragend mit ihnen aus und er ist intelligent genug um hinter das Ränkeschmieden und die Geheimnisse zu blicken. Das tut er dann auch unterstützt von Melody , die seine Freundin wird als sie zusammen bei einem Professor einen Sommerkurs besuchen müssen. Da Melody Rithmatist ist, schafft Joel sogar das unmöglich und freundet sich mit einem von ihnen an und auch ansonsten wächst er über sich hinaus. Vor allem Melody und der Inspektor im Buch sorgen für viel Wirbel, bringen aber auch jede Menge Anlass zum Schmunzeln. Melody und Joel sind ein super Team. Nicht nur ihr großer Unterhaltungswert auch ihre Zusammenarbeit um heraus zu finden was mit den verschwundenen Schülern passiert ist.

Leider kommt die Fortsetzung des Buches erst 2017. Ich hätte sonst direkt weiter gelesen. Das Ende an sich ist zwar abgeschlossen, lässt aber so einiges an weiterführenden Spekulationen offen. Das Buch hatte wirklich alles, was ich von einem guten Buch erwarte und wird wohl eins meiner Highlights 2015 werden.

Zum Buch erschienen bei Heyne fliegt geht es hier *

Ich wünsche euch einen geometrischen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

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