Dienstag, 1. Dezember 2015

Rezension Inside IS - 10 Tage im islamischen Staat



Jürgen Todenhöfer ist nicht nur ehemaliger Politiker und Richter, sondern schon seit Jahren Journalist der sich nicht scheut in die Kriegsgebiete dieser Erde zu fliegen. Teils am Rande der Legalität und vielleicht auch der Moral, entscheidet er sich immer mit beiden Seiten der verfeindeten Parteien zu reden. So war er bereits im Iran, im Irak, in Afghanistan und nun eben auch in Syrien und den vom I.S. besetzten Teil unterwegs. Herrscht in der westlichen / amerikanischen Welt die Ansicht vor, dass mit Terroristen nicht geredet oder gar verhandelt wird, möchte er dennoch das Gespräch suchen. Dabei versucht er das Spagat seinen Werten treu zu bleiben und vielleicht auf seine Gegenüber ein zu wirken ohne getötet zu werden. Er macht keinen Hehl daraus das er mit der Brutalität und den totalitären ideologischen Gedankengut des I.S. nicht einverstanden ist und es auch nicht tolerieren kann. Diese Meinung bringt ihn auf seiner Reise mehr als einmal in Bedrängnis und trotzdem wagt er sich in den Hexenkessel.

Das Buch ist ein Reisebericht und ebenfalls eine politische Zusammenfassung, die mir einen tieferen Einblick gab worum es überhaupt geht. Welche Gruppen ziehen so durch Syrien, was haben die Amerikaner mit der ganzen Sache zu tun, was tut der syrische Präsident Assad überhaupt und wo landen die deutschen Waffenlieferungen. Wer etwas mehr dazu wissen will, als eine ein Satz Schlagzeile bekommt hier einen tieferen Einblick. Natürlich ist das ganze auch durchsetzt von Herrn Todenhöfer selbst. Es ist schließlich sein Reisebericht. Allerding fand ich das er die Grundzüge des Konfliktes recht objektiv gestaltet hat. Soweit das möglich ist. Immer wieder fragt er vor Ort die I.S Leute nach den geköpften Journalisten. Immer wieder bekommt er die selben ideologischen und stumpfsinnigen Antworten. Das schockierende oder besser gesagt einfach himmelschreiend unnötige an dem Buch war für mich nicht, dass in dem Buch irgendwelche Grausamkeiten beschrieben waren. Das ist nämlich nicht der Fall, sondern die so harmlos wirkenden verblendeten Leute des I.S. Da sitzen dann ganz normale junge Männer wie du und ich und verbreiten ihre Ansicht der Welt, sind nun "froh" in ihrem gelobten Land dem islamischen Staat leben zu können. Scheuen sich nicht Selbstmordanschläge verüben zu dürfen. Ja meinen sogar das dies eine Ehre für sie wäre. Sind ernsthaft der Meinung auf dem richtigen Weg zu sein, auf ihrem Weg zu Gott.

Ich kann das einfach nicht verstehen. Leute die in einem europäischen Land mit unseren demokratischen Werten aufgewachsen sind. In den Genuß der Wahlfreiheit kamen, entscheiden sich dafür in einem religiösen System zu leben das nicht nur die Persönlichkeitsrechte völlig einschränkt sondern auch die Ermordung von Unschuldigen billigt und sogar verlangt. Ich bin froh in einer Welt aufgewachsen zu sein in der ich die Wahl hatte, was ich werden möchte, was ich glauben möchte und wen ich lieben darf. Genau so froh bin ich darüber das wir das Glück hatten die letzten 70 Jahre ohne Krieg aufwachsen zu können. Ich weiß nicht warum Leute die so aufgewachsen sind wie ich, sich mit strengen fundamentalistischen Regeln wohler fühlen. Warum sie das für einen annehmbaren Weg halten. Wie kann einem die Freiheit zu frei sein ? Wie kann man glauben das einen der Glauben zu höherem erhebt ? Wie kann man selber Gott spielen  und anderen Menschen dafür das Leben nehmen ?

Herr Todenhöfer versucht immer wieder seine Gegenüber, auf die er bei seiner Reise trifft, davon zu überzeugen das das was sie tun mit dem Islam überhaupt nicht vereinbar ist. Das es nicht nur menschenverachtend und grundlegend falsch ist sondern auch völlig undurchführbar. Hätte sein Sohn ihn nicht ein paar Mal vom Weiterreden abgehalten, dann wäre die Sache vielleiht nicht so gut ausgegangen. Am meisten leidet sowieso wie immer in Kriegen die Zivilbevölkerung, die als Spielball der politischen Meinungen herhalten und irgendwie mit dieser Situation klar kommen muss. Jürgen Todenhöfer will ein klares Bild der vor Ort herrschenden Zustände abgeben und das tut er unter Einsatz seines Lebens. Ausserdem stellt er klar die Unterschiede zwischen dem Islam und der Ideologie der IS Leute heraus.

Es ist in zwei Teile aufteilbar. Im ersten Teil werden wie gesagt die politischen Geschehnisse zusammengefasst und die Reise vorbereitet. In der Mitte sind ein paar Fotos aus seinen 10 Tagen eingefügt. Mühsam und über einen langen Zeitraum nimmt Herr Todenhöfer über Skype und Facebook Kontakt mit Europäern auf, die in Syrien für den IS kämpfen. Das geht doch erschreckend einfach. Im zweiten Teil beginnt der Reisebericht. Es sind nicht wirklich Tagebucheinträge aber trotzdem werden die Ereignisse Tag für Tag erzählt.  Es ist ein Buch das stiller daher kommt als es zuerst den Anschein hat aber mit gewaltigem Hintergrund. Mir hat es einen guten Einblick gegeben, mich nachdenklich gemacht. Jeder der sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte ist mit diesem Buch nicht schlecht beraten.

Zum Buch erschienen bei Bertelsmann geht es hier*

Ich wünsche Euch einen friedlichen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

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