Sonntag, 27. September 2015

Gedanken zu 'Die Würde ist antastbar' von F.v. Schirach



Die Würde ist antastbar

das ist die Überschrift der zusammengefassten Essays von Ferdinand von Schirach. Einige von ihnen sind zwischen 2010 und 2013 im Spiegel erschienen. Daraus wurde ein kleines Büchlein gemacht, erschienen im Piper Verlag. Ich mag von Schirachs Bücher. Ich mag seinen Schreibstil und ich mag, dass er mir immer nah am Geschehen erscheint. Wenn er über etwas schreibt, dann hat er sich wirklich Gedanken in alle Richtungen gemacht und vertritt kontrovers seine Meinung. Ich bin nicht immer einer Meinung mit ihm aber ich kann ihn immer nachvollziehen.

Besonders beliebt bei ihm sind Themen die sowohl moralisch als auch rechtliche Grauzonen darstellen. In seinen Essays spielt er das was wäre wenn Spiel und geht dabei immer von der schlimmsten annehmbaren Wirklichkeit aus. Womit kann man ein Menschenleben aufwiegen ? Was ist Würde eigentlich ? Wer genauer erklärt haben möchte warum Guantanamo auch in Deutschland möglich wäre und es Politiker und Professoren gibt die über Rettungsfolter und Vorratsdatenspeicherung diskutieren. Welche Motivation hat heutzutage ein Autor und warum löst das iPad die gedruckten Zeitungen ab ? Brauchen wir wirklich ein Rauchverbot und warum hält er Volksentscheide für keine gute Lösung ? Warum ist die Würde des Menschen trotz fester Verankerung als erster Paragraph im Grundgesetz eben doch antastbar ?

Wer klare Gedanken zu diesen Themen braucht der findet sie hier und kann sie annehmen oder sich selber Gedanken zu den Themen machen. Schirach ist Gedankenstoß ohne einem seine Meinung aufdrücken zu wollen. Zumindest wirkt er beim lesen nicht so auf mich. Seine Beispielgeschichten rühren dabei an Moral, Gewissen und alles was Recht ist, so bleiben oder zumindest Recht sein sollte, aber doch oft nicht so umgesetzt wird. Ich hätte gerne nach jeder Tagesschau ein Kommentar von Schirach, denn er versteht es mit wenigen Worten den Nagel auf den Kopf zu treffen und dabei noch alles mit Hintergrund zu erklären. Er geht dabei ganz klar immer von seinen Erfahrungen als Anwalt aus. Der Sinn und Unsinn von Recht und Gesetz als feste Instanz der Demokratie und deren Befolgung sind ihm wichtig.

Im Buch gibt es Essays zu allem was Schirach bewegt, inspiriert oder nachdenklich gemacht hat. ,auch nennenswerte Erinnerungen aus seiner Kindheit. Er wird im Buch sehr persönlich, bezieht zum ersten und laut eigener Aussage auch zum letzten Mal Stellung zu seinem Großvater ( einem Nazi). Ausserdem beschreibt er in wunderbaren Worten den Prozess des Schreibens und die Enstehungsphase seiner Bücher. Er springt dabei von Geschichten aus der Vergangenheit bis zu aktuellen Gerichtsurteilen wie Kachelmann oder Rauchverbot. Einige Politiker bekommen auch ihr Fett weg oder werden bei einem guten Gedanken lobend erwähnt. Die Macht der Presse in Gerichtsprozessen und die Beeinflussung unserer Werte durch Zeitgeist werden von ihm kritisch beleuchtet. Mich macht es jedes Mal tief nachdenklich wenn ich etwas von ihm lese und das ist auch gut so. Manchmal muss man den Spiegel vorgehalten bekommen um danach klarer sehen zu können. Das gilt nicht nur für den einzelnen als Persönlichkeit sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes.

Zum Buch erschienen im Piper Verlag geht es hier*

Zur Seite des Autors hier *

Ich wünsche Euch einen erkenntnisreichen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Freitag, 25. September 2015

Europas beste Seiten - Urlaubslektüre

Nach den Ferien ist ja bekanntlich vor den Ferien und was gibt es schöneres als dazwischen von fernen Ländern oder dem nächsten Traumurlaub zu träumen ? Die richtige Urlaubslektüre spielt natürlich auch eine große Rolle. Jetzt wo uns bald der kalte deutsche Winter erwartet.

Bei Thalia entdeckte ich einige Bücher die unter dem Überbegriff 'Europas beste Seiten' zusammen gefasst waren. Dort gab es länderspezifische Buchtipps. Ich durfte mir zwei Länder aussuchen und habe mich für Italien, genauer gesagt Sizilien und Zypern entschieden. Dazu gehörten diese wundervollen Bücher die ich Euch im folgenden Vorstellen werde. Vielleicht ist ja auch für euch etwas zum Träumen dabei, oder ihr lasst euch für euren nächsten Urlaub von den Orten inspirieren.



Ferne Länder kann man auch von der Couch aus bereisen.


Zum eine hätten wir da Bittere Limonen von Lawrence Durrell. Ein Buch das den schönen Müßiggang und das sonnige Leben auf der Insel Zypern beschreibt. Als Tourist kommt der Dichter auf die Insel und kauft dort ein renovierungsbedürftiges Haus. Er arbeitet an der dortigen Schule als Sprachlehrer und geniesst ansonsten das Leben am Strand und in der Taverne, bis die erste Bombe griechischer Nationalisten auf der Insel detoniert. Von da an ist nichts mehr wie es vorher war.

Das Buch klingt ganz spannend, normalerweise steh ich nicht so auf Kriegsberichte aber das Buch klingt so, als ginge es noch um eine Menge mehr und als wäre das nur ein kleiner Teil davon. Träumen wir nicht alle mal davon einfach auszubrechen und auf einer sonnigen Insel neu an zu fangen ? Doch auch das vermeintliche Paradies kann Schattenseiten haben. Ich bin gespannt, vor allem weil das Buch als Klassiker der Reiseliteratur angepriesen wird.
Zum Buch erschienen im rororo Verlag geht es hier*



Das Zweite Buch das auf Zypern spielt ist 'Die Andere' von Norgard Michaelides. Es handelt von Else, einer jungen Deutschen kurz nach dem Krieg die einen Zyprioten geheiratet hat und mit ihm und ihrer gemeinsamen Tochter, seit dem auf der Insel lebt. Doch Else fühlt sich auch nach längerer Zeit nicht heimisch auf der Insel. Sie fühlt sich isoliert unter Fremden, dazu kommen Probleme mit ihrem Mann. Sie lebt zwar im Paradies und hat Sonne, Strand und Meer direkt vor der Haustür aber sie ist einsam. Sie ist stets die Andere, die Außenseiterin. Hinzu kommt noch das Deutsche nach dem Krieg nicht gerade beliebt sind. Schließlich taucht auch noch die ehemalige Geliebte ihres Mannes auf und Else muss erkennen das es für sie an der Zeit ist neue Wege zu gehen, doch das ist gar nicht so einfach. 

Klingt für mich nach einem Buch über eine starke Frau, die sich selbst aus dem Schlamassel ziehen muss. Zusätzlich erkennt man doch einige Probleme darin, die auf Leute warten die mit dem Gedanken spielen auszuwandern. Stelle ich mir interessant vor. Zum Buch geht es hier*



Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres und mit einem guten Buch kann man immer und überall Urlaub machen.


Kommen wir nun zur Italienfraktion:

Da hätten wir zum einen ' Amore siciliano' von Luzie Bronder. Eine lustige Liebesgeschichte untermalt mit jeder Menge sizilianischem Flair. Alexandra ist nicht nur Regie und Filmstudentin sonder auch bekennende Vegetarierin und ausserdem Ökofan. Genauso wie ihr ein paar Jahre älterer Freund Malte. Als sich ihr die Chance bietet einen Dokumentarfilm über Biobauernhöfe in Italien zu drehen, ist sie hellauf begeistert, ohne zu ahnen das die Reise ihr komplettes Leben total auf den Kopf stellen wird. Was nicht zuletzt auch am gutaussehenden Olivenbauern Paolo liegt. Eventuell.

Das Buch habe ich bereits gelesen und es wird noch eine ausführliche Rezension dazu folgen. Es ist auf jeden Fall ein locker, lustiges Buch das wunderbar den sizilianischen Flair einfängt und mit viel Witz und gutem Essen, Hunger auf mehr macht.

Zum Buch erschienen im Aufbau Verlag geht es hier*





Ebenfalls auf Sizilien spielt 'Oleanderregen' von Stefanie Gerstenberg. Nur das es hier um eine Familiengeschichte geht. Italien und la Familia, das passt natürlich wie die Faust aufs Auge denn dort ist die Familie noch heilig. Denn die Protagonistin kommt nach Italien, weil ihr Vater verstorben ist und sie sich um einige Dinge Kümmern muss. Dort erfährt sie das ihre Cousine Irma eigentlich ihre Halbschwester ist und es auch ansonsten noch so einige Irrungen und Wirkungen in der Familie gibt. Nach einer Routineoperation liegt Irma nämlich im Koma und für Protagonistin Valentina wird alles noch spannender, als sie ihre wirkliche Cousine Angelina kennen lernt und die ihr eine Familiengeschichte erzählt, die es in sich hat.

Erinnert mich ein bisschen an die Thematiken der Romane von Lucinda Riley und die lese ich ab und zu ganz gerne. Familiengeschichte heisst ja nicht gleich auch Familiendrama. Es darf gerne mal was verworren sein, aber ich habe es gerne mit Auflösung und freu mich immer wenn der Knoten dann geplatzt ist und alle Teile an ihren Platz fallen. Mal sehen ob das hier auch der Fall ist.

Zum Buch erschienen im Diana Verlag gehts hier*



Zu allen Büchern wir es noch ausführliche Rezensionen geben.

Ich wünsche Euch einen traumhaften Tag

Eure Paloma Pixel


dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Sonntag, 20. September 2015

Rezension 'Der Diamant des Salomon'



Der Medicus ist wohl Noah Gordons bekanntestes Buch. Ich finde aber das der Diamant des Salomon da nicht zurück stehen muss. Er hat eine ganz eigene Art zu schreiben. Sehr detailgetreu, manchmal etwas bruchstückhaft. Er beschreibt im Buch seine Figuren nicht optisch, sondern lässt seine Figuren durch ihre Taten für sich selber sprechen. Mir gefällt das.

Der Diamantenhändler Harry Hopemann steckt fest in seinem Leben. Er steckt mitten in einer Midlife Crisis. Er ist zwar reich und sehr erfolgreich in seinem Geschäft aber er würde gerne seiner Profession nachgehen und historische Schätze erforschen. Er ist ein Getriebener auf der Suche und weiß selbst nicht wonach. Als ihm plötzlich der Auftrag eines großen Diamantengeschäfts angeboten wird, wird er hellhörig. Denn es geht um einen ganz besonderen Diamanten mit dem das Schicksal von drei Weltreligionen und auch die Vergangenheit von Harrys jüdischer Familie eng verknüpft ist. Harry macht sich auf nach Jerusalem und ein Katz und Maus Spiel um den Diamanten beginnt.

Das Buch beginnt mit einem Rückblick in die Geschichte, in eine Zeit in der die Bundeslade noch im heißen Sand der Wüste versteckt werden musste, um nicht den Feinden zum Opfer zu fallen. Genau so ist es mit dem Diamanten. Wer sich noch nicht mit der Geschichte Israels oder auch der Geschichte des jüdischen Volkes beschäftigt hat, der kann im Buch eine ganze Menge lernen. Alles ist wunderbar genau recherchiert und mit viel Liebe zum Detail in die Geschichte eingeflochten. Manchmal sogar für meinen Geschmack etwas zu viel, aber das nur an wenigen Stellen. Harry Hopemann wird uns ausführlich vorgestellt. Man spürt direkt das er zielstrebig und erfolgsorientiert ist aber da ist auch mehr. Hinter der Fassade des harten Geschäftsmannes steckt eine Leidenschaft. Größer, Höher, Weiter ist wohl seine Devise. Verborgenes, altes Wissen faszinieren ihn genauso wie glitzernde, seltene Steine.

Von Anfang an bemerkt man als Leser das die Religion eine wichtige Rolle im Buch spielt. Nicht unbedingt im Sinne von Religiosität, den Harry ist keine streng gläubige Figur sondern als Kontext in dem die Geschichte sich entwickelt und einen Sinn ergibt. Natürlich auch als Triebfeder für gute und schlechte Ereignisse im Buch. Das ist die Religion in der realen Welt ja ebenfalls. Es geht nicht darum jemanden als richtig oder falsch darzustellen. Es geht um den Lauf der Geschichte und den Tatsachen die uns die Vergangenheit gezeigt hat. Noah Gordon streut Geschäftsszenen und private Szenen durcheinander und zeigt uns so ein Bild von Harry in New York, in Jerusalem, seiner Arbeit, seiner Familie und seiner Leidenschaft. Dabei sind auch einige Sexszenen im Buch, die einem vorkommen, als ob man seine Eltern ausversehen beim Sex erwischt hat. Zumindest hinterließen sie bei mir so ein Gefühl. Vielleicht liegt das daran das ich mir Harry älter vorstelle ?

Alles wird immer ausgehend von Harrys Familie beleuchtet. Vorfahre über Vorfahre lernen wir die Geschichte der Juden in verschiedenen Ländern kennen. Wie sie vertrieben werden. Von reichen Fürsten zum schleifen des Diamanten beauftragt werden, unter Verfolgung leiden müssen usw. Das Hin und Her springen durch die Zeit und die Charaktere wird immer durch eine Sache verbunden : den Diamanten. Dabei wird auch mit unerfreulichen Wahrheiten nicht gespart. Die Geschichte geht erst so richtig los als sich Harry entscheidet nach Jerusalem zu fahren. Von da an bekommt das Buch einen leichten Hauch von Agententhriller aber nur einen ganz leichten. Man will zwar wissen was denn nun mit dem Diamanten ist aber im Verlauf des Buches verschieben sich Harrys Prioritäten. Von riesiger Spannung im Buch würde ich nicht sprechen aber man wollte trotzdem immer weiterlesen. Ich wollte noch mehr erfahren und wurde wissenshungrig auf das Thema. Harry blüht erst richtig auf wenn Risiko dabei ist. Er nutzt seine Reise um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die Interessen des Diamantenhändlers und seine historischen Interessen. Dadurch kommt noch eine zusätzliche Komponente ins Buch, da Harry nicht nur hinter dem Diamanten, sondern auch nach den anderen historisch wertvollen Schätzen her ist die vor Jahrhunderten versteckt wurden. Seine Verwandten aus den Jahrhunderten zeigen sich immer wieder als Zeitzeugen. Noah Gordon transportiert damit die damalige Stimmung sehr gut an den Leser. Man wird durch die Ereignisse ins Buch hinein gezogen und fühlt mit den Personen mit, nicht nur mit Harry.

Es war für mich eher ein emotionales als ein actionreichen Buch. Die Mischung zwischen historischen Ereignissen, aktuellem Geschehen mit dem Diamanten und den Liebesszenen gefiel mir aber sehr gut. Ob Harry aber am Ende des Buches tatsächlich irgendwo angekommen ist, wage ich zu bezweifeln. Zumindest fühlte es sich für mich nicht so an. Ich hätte mir ein eindeutigeres Ende gewünscht. Ob er den Diamanten oder die große Liebe wirklich findet und was sich sonst noch alles tut ? Dafür müsst ihr das Buch lesen.

Das 480 Seiten lange Buch ist im Heyne Verlag erschienen. Zum Buch geht es hier *

Zur Autoren Seite von Noah Gordon hier *

Ich wünsche euch einen historischen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.


Mittwoch, 16. September 2015

Rezension Book Elements




Die Magie zwischen den Zeilen

Ich hatte mal wieder unverschämtes Glück und durfte in der Lovelybooks Leserunde Stefanie Hasse's Buch lesen. Der Titel war schon ein paar mal beim Stöbern vor meinen Augen aufgetaucht aber ich hatte mich noch nicht wirklich damit beschäftigt. Ein Buch über Bücher ? Funktioniert das überhaupt ? Worum soll es denn da genau gehen ?

In Book Elements geht es um eine ganze Menge. Nicht zuletzt um den absoluten Wunschtraum vieler Bücherwürmer, nämlich das ihr fictional Crush plötzlich leibhaftig vor ihnen steht.

Lin, unsere Protagonistin ist eine Wächterin der Bibliotheca Elementara. Nacht für Nacht geht sie mit ihrer kleinen Truppe auf Patrouille, um 'heraus' gelesene Buchcharaktere wieder ein zu fangen die durch die Emotionen beim lesen, den Weg in unsere reale Welt gefunden haben. Unwiderstehliche Vampire und gut aussehende Bad Boys sind dabei noch das kleinste Übel. Dabei besitzen Lin und ihre Freunde besondere Fähigkeiten als kleine Hilfe. Wegen ihrer besonderen Gaben dürfen die Wächter keine Bücher zu Hause haben und lesen. Lin kann dem Drang jedoch nicht widerstehen und versinkt in die Welt von 'Otherside', einem Buch das sie wie magisch anzieht. Der Held Zac, hat es ihr schwer angetan. Doch was ist wenn dieser plötzlich leibhaftig vor ihr stehen würde ?

Zu aller erst beruhige ich diejenigen unter euch die nicht viel lesen. Ihr müsst kein super belesener Bücherwurm sein damit euch Book Elements gefällt. Seit ihr aber sowieso schon ein absoluter Fantasybuch Fan dann werdet ihr es lieben.

Viele verschiedene Fantasyeinflüsse und Figuren fließen im Buch zu einem großen ganzen zusammen und erschaffen so mit Stefanie Hasse's eigenen Ideen eine ganz neue Welt. Bücher sind die Grundlage für eine ganz eigene Weltanschauung der Protagonisten. Es ist eine Welt in der der Zauber der Bücher zum greifen nah in unserer Welt ist. Jeder von uns hat sich bestimmt schon einmal gewünscht einen bestimmten Charakter gegenüber zu sitzen, so auszusehen wie der Lieblingsheld im Buch oder selber genau so tolle Fähigkeiten zu haben wie die Romanfigur und dann ist da ja auch noch die Liebe.

Lin wird im Buch quasi durch die Enttäuschung in der realen Männerwelt , in die Arme einer überidealisierten Buchgestalt getrieben. Das Phänomen des fictional Boyfriends kennen wir alle glaube ich auch zur genüge. Die Szenen im Buch wo die Liebe im Vordergrund steht, knistern auf jedenfall heiß.

Die Idee dem Lieblingsbuchcharakter mit den eigenen Emotionen beim lesen Leben einhauchen zu können finde ich grandios. Schade das das wohl wirklich ein großes Chaos auslösen würde wenn  plötzlich Vampire, Zauberer, langhaarige Schönheiten und dämonische Badboys durch unsere Straßen ziehen und sozusagen ihrer Natur freien Lauf lassen. Als Mensch hätte man bald nichts mehr zu lachen. Denn bekanntlich beschränken sich unsere menschlichen zauberhaften Fähigkeiten auf Essen, schlafen, atmen, laufen. Für Buchverrückte Menschen hat Stefanie Hasse einen ganz eigenen Begriff entwickelt, den ich mir am liebsten auf ein T-Shirt drucken lassen würde : Fictionmates.  Das sind Menschen die Buchszenen auf ihre aktuelle Lebenssituationen projizieren. Sind wir nicht alle ein bisschen Fictionmate ? Ich denke das kann auch ganz hilfreich sein ;-)

Den Anfang des Buches macht ein wunderschön emotional geschriebener Prolog über die Gefühle die einen überkommen, wenn man in seinem Lieblingsbuchladen ein Buch entdeckt, dass man unbedingt haben muss. Der Prolog ist so plastisch geschrieben, dass man fast die Ladenglocke bimmeln hört und den Geruch nach Ledereinbänden und Papierseiten wahr nimmt. Das weckte sofort Gefühle in mir und genau das ist es, was ich haben will wenn ich ein neues Buch beginne. Das Buch bleibt die ganze Story über geheimnisvoll und gibt dem Leser Rätsel über Rätsel auf. Man kann eigentlich ausser Lin keinem Protagonisten im Buch zu 100% vertrauen, dadurch bleibt es die ganze Zeit über sehr spannend. Die Geschichte ist wirklich sehr komplex angelegt und man muss gut aufpassen um alles mit zu bekommen. Vielleicht ist es an manchen Stelle auch durch die vielen Ideen die hier verpackt sind, für den ein oder anderen zu komplex. Dadurch das uns die Informationen aber Bröckchenweise portioniert werden, konnte ich mich gut mit der Informationsfülle arrangieren und habe alles direkt verstanden.

Die Buchcharaktere aus anderen Büchern, die hin und wieder auftauchen, sind nur Komparsen für Stefanie Hasse's eigene Geschichte. Es ist schön wenn man sie kennt und so den Stellen noch einen zusätzlichen Sinn dazu geben kann aber kein Muss um die Geschichte zu verstehen. Spannung und Story bauen kontinuierlich immer weiter auf und gipfeln dann in einem Showdown. Das Buch endet zwar nicht mit einem Cliffhanger, lässt aber noch viele Fragen offen und da Teil 2 und 3 schon in Arbeit sind können wir uns wohl noch auf einiges gefasst machen. Bei den vielen unvorhergesehenen Wendungen in Teil 1 ,Puh. Der Schreibstil ist flüssig und locker, in den Liebes- und actionreicheren Szenen dynamisch ohne drängend zu sein. Die Handlung wird voran getrieben ohne den Leser zu hetzten und obwohl oft sehr viel passiert ist es ein geordnetes Chaos. Die kursiv gedruckten Gedanken vor jedem Kapitel sind ein hübsches Stilelement, wenn sie mich auch eher verwirrten als mir nützten. Übrigens hatte ich zuvor noch nie ein Buch gelesen in dem so exzessiv Kaffee konsumiert wird. Quasi in jeder Ruhephase der Protagonisten und ich trinke absolut gar keinen Kaffee. Mhhhm. Besonders die letzten Kapitel waren aber auch ohne Kaffee viel zu spannend. Da hätte ich vermutlich mit Kaffee einen Herzkasper bekommen.

Das 249 Seiten lange Werk ist bei Carlsen Impress als Ebook erschienen. Es wird aber auch am 24.09 als Printausgabe im Softcover erscheinen. Zum Buch gehts hier *

Ich fand übrigens das uns Stefanie Hasse in der Leserund mehr als gut betreut hat. Sie war fast jeden Tag online, hat auf alle Fragen geantwortet und auch sonst mit Lob und Anregungen nicht gespart! Toll! Zur Leserunde gehts hier *

Zur Autorenseite von  Stefanie Hasse hier *

Zu Ihrem Buchblog His and Her Books hier *

Ich wünsche Euch einen fantasiereichen Tag

Eure Paloma Pixel

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Dienstag, 8. September 2015

Indie Book Vorstellung - Schneeleoparden haben blaue Augen


Diese süße Geschichte, wurde mir freundlicherweise von der Autorin zum Lesen zur Verfügung gestellt. Ich liebe Indie Books die noch gänzlich unbekannt sind. Man kann etwas völlig Neues entdecken, von dem man meist noch nie etwas gehört hat. Entweder entpuppt sich das dann als seltenes Kleinod oder als herbe Enttäuschung. Denn eins muss man bei einem Indie Book immer bedenken, man kann nicht den selben Anspruch daran haben, wie bei einem Verlagsbuch von einem großen Verlag. Diese haben viel größere finanzielle Mittel, um ein schickes Cover und Werbung zu machen. Als unbekannter Autor, der sein Buch vielleicht gar als Self Publisher heraus bringt, sieht das ganz anders aus. Umso unterstützender finde ich die Sache. Trotz allem gibt es ein Mindestmaß an Qualität, die ich auch bei einem komplett selbst heraus gebrachten Buch erwarte.

Das Cover von 'Schneeleoparden haben blaue Augen', sieht aus wie eine Kinderzeichnung. Irgendwie finde ich das ganz passend. Da gibt es erst einmal nichts daran auszusetzen. Die Autorin schreibt unter Pseudonym. Kann man machen, finde ich aber in diesem Fall unnötig, da mir Ihr echter Name viel besser gefällt als Nelli Fischer. Das Buch ist bei Amazon als eBook erhältlich. Der Preis ist Ansichtssache. Jeder Autor steckt viel Zeit, Liebe und Mühe in sein Werk und möchte natürlich das beste daraus machen. Dies soll natürlich auch gewürdigt werden, nicht zuletzt durch den Preis. Ich habe aber eBooks von bereits bekannteren Autoren gesehen die günstiger angeboten werden. Wie gesagt, der Preis ist Ansichtssache und sagt natürlich auch nichts über den Inhalt aus. Das Buch hat 113 Seiten und ist damit eher in die Kategorie, längere Geschichte oder sehr dünnes Buch einzuordnen. Das Genre wird von der Autorin als Krimi angegeben. Ich muss sagen, dass ich es eher als Abenteuerroman oder Kriminalgeschichte für jüngere Leser einordnen würde. Das ist natürlich nur meine unmaßgebliche Meinung. Ich finde einfach das es in diese Genres viel viel besser passt. Es hat mich in Zügen doch ein bisschen an Hanni und Nanni oder Schloss Einstein erinnert, auch die Bücher der schwarzen Hand könnte man als Vergleich heran ziehen. Ich finde vom Schreibstil und den logischen Abläufen im Buch, passt es eher in die Altersgruppe 7-14 Jahren. Ich denke in diesem Alter ist die Geschichte ein Knüller. Abgesehen vom Anfang, der mir absolut gar nicht gefallen hat aber dazu komme ich noch, ist die Geschichte wirklich lustig und für jüngeres Publikum bestimmt auch gruselig.

Alles beginnt mit Emma, unserer Hauptfigur. Emmas Eltern sind geschieden und beide schwer beschäftigt. Ihr Vater ist Regisseur und hat eine neue blonde Flamme. Ihre Mutter ist Physikerin, die mit dem Kopf nur in den Elementarteilchen steckt. Darum wird Emma von Ihnen aufs Internat geschickt. Schloss Greifenhorst ist nicht nur ein furchtbar staubiger Kasten mit ziemlich versnobten Mitschülern, nein es sollen sich auch Geister und grauenhafte Mönche nachts auf dem Gelände der Schule herum treiben. Emma glaubt davon kein Wort, bis auf ungeklärte Weise Mitschüler verschwinden und mit Gedächtnisverlust wieder auftauchen. Emma und ihre Freunde wollen der Sache auf den Grund gehen und ermitteln auf eigene Faust. Haben etwa der streitsüchtige Sten oder der Schönling Eduardo etwas damit zu tun ?

Die Geschichte klingt erst einmal ganz gut und das ist sie im weiteren Aufbau auch. Sie geizt allerdings nicht mit Klischee Charaktereigenschaften aber das ist nicht unbedingt schlimm. Es schadet der Geschichte nicht. Der Anfang ist jedoch wirklich nicht gelungen. Viel zu viel Handlung wurde in viel zu wenig Sätze gepackt. Man stürmt mit uns als Leser geradezu durch die Einleitung. Man hat kaum Zeit die einzelnen Personen die auftauchen richtig kennen zu lernen und sich ein Bild von Ihnen zumachen. Hier hätte man so gutes Potential gehabt und in aller Ruhe, erst einmal die Figuren beschreiben können und die Grundlage für das Setting liefern können. Dann hätte man mit Sicherheit auch noch ein paar Seiten mehr gemacht, denn am Erzählstil an sich liegt es nicht. Ich wollte das Buch schon wieder aus der Hand legen denn es war wirklich nicht schön zu lesen, man konnte kaum folgen. Doch es wurde viel besser als Emma im Internat ankam. Von hier an wurde der Erzählstil viel langsamer und auch etwas ausgefeilter. Für mich gab es auf jedenfall ab diesem Punkt eine deutliche Veränderung. Es wirkt fasst so, als sei die Geschichte von hier aus durchdacht worden und der Anfang nachträglich, als Einleitung hinzugefügt worden.

Emma als Protagonistin gefällt mir gut. Sie ist vorlaut, lässt sich nicht so leicht einschüchtern und ist eine starke Persönlichkeit. Ihr Schwärmen für die Jungs im Buch war ok, wenn auch manchmal etwas zu übertrieben. Die anderen Charaktere haben ebenfalls ihre liebenswerten Eigenarten. Ecken und Kanten machen einen Charakter ja erst interessant. Das Schloss hat mich wirklich sehr an das typische Schloss aus den Hanni und Nanni Geschichten erinnert. Fand ich aber auch vollkommen in Ordnung. Allerdings finden sich doch einige Logikfehler im Gedankenablauf der Charaktere, auch habe ich einige Satzbau und Rechtschreibfehler gefunden. ( Darth Vader wurde z.B. falsch geschrieben ;-) das fällt natürlich leider besonders auf ). Auch bei einigen Themen wie der Physik findet sich eher freie Interpretation statt Recherche. Jetzt könnte man meinen das wäre kleinlich. Bei einem Buch für Erwachsene gehört Recherche aber einfach dazu. Schließlich kann heute jeder googeln was richtig oder falsch ist und es bringt mehr Authentizität in das Buch, oder eben auch nicht. Bei Kindern ist das etwas anderes, da fallen erfundene oder ungenaue Fakten nicht so auf. Weiter kommt hinzu, dass ich bei einem Buch für das Geld verlangt wird auch ein Lektorrat erwarte. Denn das schließt falschen Satzbau und Rechtschreibfehler aus. Es stört einfach den Lesefluss wenn es zu oft vorkommt. Die Sprache ist normale Alltagssprache, versetzt mit Jugendsprache  und die Autorin ist ein Fan von eigenen Wortkreationen und auch dem Denglischen. Das hat doch für einige Schmunzelmomente gesorgt. Für einen Erwachsenen finde ich die Geschichte aber einfach zu einfach und vorhersehbar. Die geheimnisvolle Komponente mit den Geistern und auch Emmas Eigenschaft allen Personen ein Tier zuzuordnen passt einfach hervorragend in ein Kinderbuch. Alleine schon die Namen der Figuren im Buch sind zum schießen. Für Kinder im Alter von 7-14 Jahren ist es eine gruselige Abenteuergeschichte. Ich würde der Autorin vorschlagen ihr Buch auch in diesem Segment, als solch eines zu vermarkten.

Ich habe mich gefreut, dass ich es Lesen durfte und wünsche Nelly Fischer alles Gute mit ihrem Werk.

Zum eBook gehts hier *

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Cover und Textrechte liegen beim Verlag bzw. beim Autor

Sonntag, 6. September 2015

Rezension Foxglove Summer/ Fingerhut Sommer



Foxglove Summer ist der nun mehr 5te Band der beliebten Serie um den Zauberlehrling und Police Constable Peter Grant. Die Reihe von Ben Aaronovitch ist mittlerweile eine meiner liebsten. Das Londonder Underground Flair und der sympathische Hauptcharakter Peter gefielen mir vom ersten Moment an.
Ich habe das Buch wieder einmal im Original auf Englisch gelesen. Deswegen gebe ich auch den Titel auf englisch an. Ich kann sagen das man die Bücher gut im Original lesen kann, allerdings nicht unbedingt als Englisch Anfänger. Ein bisschen tiefergehenden Wortschatz braucht man schon, um in den Büchern die Geschichte auch zu verstehen.

Die einschneidenden Ereignisse im letzten Buch machen Peter immer noch zu schaffen. Er leidet unter Schlaflosigkeit und wirkt um einiges ernster und misstrauischer, als in den vorigen Büchern. Das ist wohl vor allem der Situation mit Lesley geschuldet, seiner ehemaligen Partnerin. Vom Gesichtslosen sehen und hören wir nicht so viel. Da kommt es Peter gerade recht, dass er sich in einen neuen Fall stürzen kann. Zwei junge Mädchen sind auf dem platten Land in Herfordshire verschwunden. Zunächst deutet nichts darauf hin das bei dem Fall auch Magie im Spiel sein könnte. Peter nutzt dennoch die Gunst der Stunde und stattet einem alten Zauberer aus der Gegend einen Routinebesuch ab. Er will helfen und sich von seinen kreisenden Gedanken ablenken. Weil die örtlichen Ermittler ratlos sind und Peter nun einmal da ist, wird er tiefer in den Fall involviert. Er stürzt sich in die Arbeit und erhält dabei Unterstützung durch einen Jungen Constable ( Dominik) aus dem Dorf. Dieser brachte eine lockere Komponente mit ein, ist er doch sehr kontaktfreudig und kennt alles und jeden im Dorf. Peter hat nicht nur mit den ländlichen Gepflogenheiten zu kämpfen, sonder muss sich auch noch gegen Vorurteile stellen. Sowohl wegen seiner Hautfarbe, als auch wegen seiner speziellen magischen Polizeiarbeit.
Bei allem was er tut denkt er jedoch immer an Lesley. Sie schwebt wie ein Schatten über der Geschichte. Wie der Zufall es so will entdeckt Peter dann etwas, dass ihn zweifeln lässt, ob beim Verschwinden der Mädchen nicht doch Magie eine Rolle spielt und damit kommt der Ball so richtig ins Rollen.

Hatten wir in den letzten Büchern immer das Setting in London und der Stadt mit all ihren schönen und schmutzigen Ecken, spielt diesmal alles auf dem Land. Peter geht also freiwillig aus seiner Kompfortzone, nicht zuletzt um sich abzulenken. Selbst Nigthingale hält das für eine gute Idee. Es war einmal eine gelungen Abwechslung, obwohl ich London im Buch schon vermisst habe. Die Geschichte startet deswegen vielleicht auch etwas langsam. Man stolpert so mit Peter zusammen hindurch und erfährt eigentlich so gar nichts. Peter fährt viel in der landschaftlich schönen Gegend herum. Vor allem im ersten Teil des Buches passierte mir einfach ein bisschen zu wenig, dafür waren Peters Gefühle schön beschrieben. Gut war allerdings die anhaltende Spannung, ob die Mädchen nun gefunden werden oder nicht. Hinter jeder Ecke erwartete man etwas zu finden. Kommissar Zufall hilft auch kräftig mit. Im Zweiten Teil passiert dafür aber um so mehr. Die Geschichte hat wieder viele tolle Charaktere und magische Ideen parat. Es gibt sogar ein bisschen sexy Time für Peter. Wir erfahren auch ein paar Brocken aus der Vergangenheit und der Schlacht um Ettersberg, die ja immer wieder in den Büchern Thema ist.

Insgesamt gefällt mir Peters Entwicklung als Charakter gut. Schade fand ich das wir wenig von Nightingale und der Zauberei an sich sehen. Davon hätte ich gerne noch mehr im Buch. Die Crimestory stand dieses mal klar im Vordergrund, mit jeder Menge Ermittlungsarbeit. Dabei gefiel mir das Ermittlerduo Peter und Dominik sehr gut. Die Entwicklung ist, wie so oft völlig überraschend. Überraschend auch diesmal das uns das Ende nicht mit einem Cliffhänger hinterlässt. Im Gegensatz zu den letzten Büchern ist das Ende in sich geschlossen, hinterlässt uns aber trotzdem ratlos wie es weitergeht. Es gibt nur einen dezenten Hinweis den Lesley Peter gibt und das war es dann auch. Ansonsten müssen wir uns mit Teil 6 überraschen lassen.

Wer also britisch schwarzen Humor und magische Kriminalfälle mag der ist bei der Reihe absolut gut aufgehoben. Die deutschen Bücher erschienen bei dtv.

Zum Buch Fingerhut Sommer geht es hier *

Zur Special Urban Fantasy Seite der Reihe von dtv gehts hier *

Ich wünsche euch einen magischen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Dienstag, 1. September 2015

Rezension 'Couchsurfing im Iran'



Der normale Pauschaltourist wird sich wohl kaum in den Iran verirren, sondern eher auf Malle landen. Dann auch eher in einem All inclusive Hotel, als auf dem Teppich eines gut gelaunten iranischen Ingenieurs. Es sind die Menschen die ein Land besonders machen und ihm seine Geschichte geben. Stephan Orth wollte auf seiner Reise mehr erfahren als die üblichen Touristenchlichees. Er wolle das Land mit all seinen positiven aber auch negativen Eigenschaften kennen lernen. Heraus gekommen ist ein sehr irrwitziges Buch, dass die Zwiegespaltenheit des Landes gut darstellt. Ein Land das viele mit negativen Dingen assoziieren, besonders wenn man es nur aus den Medien kennt. Ich selber weiß überhaupt nichts über den Iran. Ich weiß das es dieses Land gibt und das es in einer Ecke der Welt liegt, die man als Europäer aus Angst vor Entführungen und Krieg besser nicht besuchen sollte. Das Wort Schurkenstaat drängt sich unweigerlich auf und auch die Rechte der Frau und das doch für uns sehr gewöhnungsbedürftige Staats und Glaubenskonzept passt überhaupt nicht zu unserem demokratischen Grundgedanke. Doch was ist mit den Menschen die in so einem System leben und überleben ? Die ihr Land trotz aller Widrigkeiten lieben ? Stephan Orth schafft einen neuen Blickwinkel auf ein Land über das man viel gehört hat, dass man aber doch gar nicht kennt.

Couchsurfing ist ja überall auf der Welt beliebt, kann man so doch direkt durch seinen Gastgeber, in dessen vier Wänden man einquartiert wird, in die Kultur eines Landes eintauchen ohne dafür bezahlen zu müssen. Die Gastfreundschaft, ein viel zu wenig genutztes Gut. Im Iran ist es jedoch verboten, hat der totalitäre Staat doch ständig Angst vor ausländischen Spionen und dem Verfall der Sitten. Denn Ausländer bringen nicht nur Unruhe sondern auch ganz anderes Gedankengut mit ins Land. Einige Passagen im Buch erinnern wirklich an einen Spionagefilm. Stephan wird auf seiner Reise mehrmals von der Polizei verhört und zweimal muss er um sein Visum bangen. Alles nicht so einfach mit einer Staatsgewalt die ziemlich willkürlich mit ihrer Macht umgeht. Schnell merkt man jedoch das hinter den verschlossenen Türen und verrammelten Fenstern die Iraner einiges anders sehen. Da wird eben doch mal ein Schnaps getrunken, dass Kopftuch abgelegt, gelacht und getanzt. Man ist einfach Mensch und freut sich am Leben. Über allem scheint aber der lange Arm des Gesetztes zu schweben. Jeder Iraner unter 30 ist bei Facebook aber eigentlich sind Seiten wie Twitter, Youtube und Co gesperrt. Im Verborgenen findet trotzdem so einiges statt. Stephan landet auf seiner Reise bei verschiedenen Einheimischen, die das beste aus ihrer Situation zu machen versuchen. Viele wollen auswandern, haben studiert und fühlen sich in ihrem eigenen Land nicht frei. Alles wird so streng überwacht, man muss ständig Angst haben, dass wenn irgendwo ein Foto auftaucht oder man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist direkt eine Verhaftung droht. Im Iran kann es auch mal für eine harmlose Party 30 Peitschenhiebe geben. Für uns unvorstellbar.

Stephan beschreibt aber auch die Schönheit des Landes. Wunderschöne Wüste und grüne Hochlagen. Bemerkenswerte Bauwerke und orientalische Städte. Die legendäre Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Menschen und über allem hängt ein kleines bisschen Sehnsucht. Die Sehnsucht der jungen Iraner nach einem bisschen mehr Freiheit. Es ist kein typischer Reisebericht. Stephan schreibt mehr über seine Gedanken und Gefühle, was er erlebt und wie seine Gastgeber so sind. Wer also einen detaillierten Bericht a la "heute waren wir da und da" oder das abklappern von Sehenswürdigkeiten erwartet wird enttäuscht werden. Stephan lässt sich von den Einladungen die er von den Einheimischen bekommt treiben und verfolgt mehr sein Bauchgefühl. Ich konnte alles in einem Rutsch runter lesen und fand es gut geschrieben. Das Buch hat mir auf jeden fall einen ersten guten Einblick in ein Land gegeben, dass ich so gar nicht kannte und die Schnippchen und Tricks der Einheimischen brachten mich auch zum schmunzeln. Ich war aber auch irgendwo entsetzt noch einmal schwarz auf weiß zu lesen das es in unserer heutigen Zeit Länder gibt, in denen so ein politisches Klima herrscht. Sicher eigentlich weiß man es aber es ist noch einmal etwas anderes durch ein Buch tiefer darin ein zu tauchen. Es ist wie eine Zeitreise zurück in ein dunkleres Zeitalter. Trotzdem hinterlässt Stephans Fazit auch einen Hauch Hoffnung.

Zum Buch, erschienen beim Malik/ Piper Verlag geht es hier*

Ich wünsche euch einen reisehungrigen Tag

Eure Paloma Pixel

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