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Rezension ' Old School'

Die Alten lassen es richtig krachen

Julie und Susann sind gerade sechzig geworden und leben in einer Kleinstadt in Südengland. Susann lebt ein biederes Hausfrauendasein und Julie schlägt sich eher schlecht als recht durchs Leben. Trotzdem , die beiden sind beste Freundinnen seit der Schulzeit. Als Susanns Ehemann Barry plötzlich tot aufgefunden wird, sagen wir mal unter moralisch sehr zweifelhaften Umständen, bleibt von ihrer heilen Welt nur noch ein Scherbenhaufen. Denn Barry hat sie nicht nur ohne jeden Penny zurück gelassen, sondern das auch unter Umständen die keine Ehefrau einfach so hinnehmen kann. Damit beginnt auch schon das Skurrile der Geschichte. Denn diese Umstände sind nicht nur urkomisch, sondern auch gleichzeitig das, was zu Beginn des Buches heraussticht. Für Susann ist das natürlich tragisch und auch Julie ist gerade in einer Situation, in der ihr bewusst wird das sie schon mal bessere Zeiten gesehen hat und so eigentlich nicht weitermachen will. Die beiden Freundinnen hecken in einer Schnapslaune einen verrückten Plan aus. Der verändert nicht nur ihr Leben komplett, nein der bringt den Stein im Buch erst richtig ins Rollen und löst ganz nebenbei ihre finanziellen Probleme.

John Niven's Buch lebt ganz klar von seinen ausgefeilten Figuren. Sie sind so skurril, lustig und dabei so sympathisch. Man fiebert mit ihnen mit. Die Truppe der Alten die sich im Buch formiert, zeigt jedenfalls das sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Das sie oft unterschätz aber auch mit viel Glück das Blatt wenden können. Das man auch mit sechzig nicht angekommen sein muss und trotzdem noch auf der Suche nach dem Glück ist und der Unterschied zwischen dem, was sich die Generationen so für ihr Leben wünschen gar nicht so groß ist. In jeder sechzigjährigen Frau steckt auch immer noch das 16 jährige Mädchen. Niven hat die Sehnsüchte und Wünsche gut mit den Erinnerungen der Alten eingefangen. Jetzt könnte man meinen , ja so Erzählungen aus alten Tagen gemischt mit einer Prise verzweifeltem Hausfrauendasein, ist das interessant ? Am Anfang ist das Buch nett zu lesen. Man lernt die Protagonisten und ihre Sorgen kennen aber bis auf die Sache mit Barry ist es nichts als eine tragische Lebensgeschichte die erzählt wird. Bis zur Seite 138 hat sich nicht so viel getan für mich und ich fand den Anfang gelinde gesagt fast schon langweilig. Ich überlegte schon ob ich weiterlesen oder abbrechen sollte aber dann !



Dann ging es erst richtig los. Von mir aus hätte man den doch langatmigen Anfang auch verkürzen können. Er führt zwar die Figuren zum eigentlichen Teil der Geschichte hin aber war nicht annähernd so unterhaltsam wie das, was dann noch kam. Denn, mein lieber Scholli, die Alten ließen es richtig krachen und ich musste so oft laut heraus lachen das ich schon komisch angeguckt wurde. Das was dann noch kommt ist so witzig, fein durchdacht und einfach unglaublich das es jedem Mafiakrimi und jeder Comedyshow alle Ehre machen würde. Das Buch geizt nicht mit Schimpfwörtern, peinlichen Situationen oder Szenen bei denen man vor Scham am liebsten weggucken will. Genau das mach aber auch den Reiz aus. Eine Prise schwarzer Galgenhumor und die Situationskomik machen den Drive perfekt. Das Buch konnte mich dann doch noch sehr begeistern. Die Gruppe der Alten durchlebt eine Wandlung von brav und still nach verschwenderisch und zügellos. Ausserdem finden wir uns dann in einer Flucht durch drei Länder wieder, verfolgt von einem trotteligen und ungehobelten Gegenspieler der aber hartnäckiger ist als die Polizei erlaubt. Doch die Alten sind härter.

Kurzum, wer genug Atem hat den Anfang durch zu halten wird mit einer irren Geschichte belohnt. Das Buch macht nicht nur sechzehnjährigen Mut aufs Älter werden sondern auch sechzigjährigen das es noch längst nicht vorbei ist. Wie wir im Rheinland sagen, je oller je doller !

Zum Buch erschienen im Heyne Verlag geht es hier*

Ich wünsche euch einen skurrilen Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.
Rezension  ' Old School'

Kommentare

  1. Liebe Vanessa,

    ich habe mir erlaubt, deine schöne Rezension zu "Old School" als weitere Meinung zum Buch unter meine Rezension zu verlinken, die gerade online gegangen ist. Ich hoffe, das ist in Ordnung für dich. :-)
    Liebe Grüße, Alexandra

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    1. Oh vielen Dank. Ich freue mich und natürlich kannst du sie verlinken.

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