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Terror - Ferdinand von Schirach





Das Theaterstück wurde von Ferdinand von Schirach vor den Anschlägen auf die Zeitschrift Charlie Hebdo geschrieben und die im Buch angefügte Rede, vor den Anschlägen in Paris im November 2015.

In dem Theaterstück geht es um eine Gerichtsverhandlung. Ein junger Bundeswehr Kampfpilot ist dort wegen 164 fachem Mord angeklagt, weil er ein Passagierflugzeug abgeschossen hat, dass entführt wurde. Der Entführer war im Begriff, dass Flugzeug in ein voll besetztes Fussballstadion stürzen zu lassen. Der Pilot entschied sich dafür, trotz gegenteiligem Befehl, das Flugzeug ab zu schiessen und so 164 Menschen zu töten, aber 70.000 im Stadion unversehrt zu lassen.

Das ganze ist mit Regieanweisungen und Hintergrundinfos in Theaterstück - Stil geschrieben und stellt die Gerichtsverhandlung dar. Es geht zwar um die Frage, ob der Pilot schuldig gesprochen wird oder nicht. Diese wird aber von Schirach nicht abschliessend geklärt. Man hört sowohl die Plädoyer der Verteidigung, als auch der Staatsanwaltschaft. Man hört den Angeklagten und eine Nebenklägerin, deren Mann in der Maschine saß. Meine Stimmung wurde von der einen, ständig wieder in die andere Ecke geschoben. Was einem eben noch einleuchtend und richtig erschien, ist zwei Seiten weiter schon widerlegt und erscheint einem plötzlich falsch. Ein Wechselbad der Gefühle. Man will das Richtige tun, aber manchmal ist jede Option die man hat die falsche und man muss sich trotzdem für eine entscheiden.

Das Theaterstück ist so konzipiert, dass am Ende die Zuschauer die Schöffen sind, die entscheiden sollen, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht. Für beide Fälle ist ein abschliessender Text mit Begründung verfasst worden. Beide Argumentationen sind stichhaltig und völlig einleuchtend. Genau das macht das Dilemma so prägnant.

Kann man ein Menschenleben gegen ein anderes aufwiegen ? Das Bundesverfassungsgericht hat gesagt nein. In der Geschichte beschreibt der Pilot, dass ihn dieses Gesetzurteil Handlungsunfähig gemacht hat gegen Terroristen.  Diese würden dies ausnutzen und sich immer hinter den unschuldigen Leben verstecken und so ihre Attentate ausführen. Es gibt einfach keine Entscheidung in diesem Fall, die richtig oder falsch wäre. Es gibt keine einfache Lösung die unser Gewissen beruhigt und mit der alle zufrieden sind. In solch einer Situation kann man nur verlieren.

Die angefügte Rede, die am Ende des Buches nach dem Theaterstück kommt, ist das eigentliche Goldstück des Buches. Sie entstand im Rahmen einer Preisverleihung für Charlie Hebdo. Schirachs Worte stehen für sich selbst. Ich könnte es nicht so treffend formulieren wie er, darum füge ich ein paar Zitate an. Seine Rede ist eine gute Erinnerung, uns nicht von Hass blenden zu lassen und nicht unsere eigenen Ideale zu verraten.

Weshalb soll eine Religion vor Beleidigungen besser geschützt sein als zum Beispiel die sexuelle Orientierung, die Hautfarbe oder Nationalität ? Ich glaube an den gelassenen,freien Geist unserer Verfassung, an ihre souveräne Toleranz und ihr freundliches Menschenbild.

Aber die tiefere Wahrheit ist: Es sind nicht die Terroristen, die unsere Demokratie zerstören. Sie können es gar nicht. Nur wir selbst, meine Damen und Herren, können unsere Werte ernsthaft gefährden.

Aber jetzt nützen uns weder Kriegsgeschrei noch blindwütige Aktion. Nur die Besonnenheit, nur die Verfassung, nur die Rechtsstaatlichkeit werden uns auf Dauer schützen können. Wenn wir die Regeln verraten, die wir uns selbst gegeben haben, werden wir verlieren. 
Wir müssen den Fanatikern genau das entgegensetzten, was sie am meisten fürchten und hassen: unsere Toleranz, unser Menschenbild, unsere Freiheit und unser Recht.

Die Rede ist noch um einiges länger und einprägsamer. Ich würde mir nach jeder Tagesschau ein abschliessendes Wort von Schirach wünschen. Er schafft es einfach immer alles kurz und prägnant zusammen zu führen, für das ich selber keine Worte finde. Ja ich bin sprachlos bei vielem, was da in der Welt so vorgeht und manchmal weiß ich nicht mehr was ich denken soll. Ich bin nicht immer einer Meinung mit ihm, aber er trifft oft sehr objektiv den Nagel auf den Kopf und bringt so Ordnung in meine Gedanken. Sein brillanter Erzählstil kommt in diesem Buch aber zu kurz. Nur im letzten Teil mit der Rede blitzt er auf. Das finde ich etwas schade. Die Geschichte mit dem Piloten wurde auch bereits in seinem anderen Buch angesprochen, ist also von Schirach Fans bereits bekannt. Ich hätte mir mehr Essay von ihm gewünscht, denn darin ist er wirklich gut. Trotzdem ist das Lesen des Buches ein gutes Lehrstück, was Moral und Prinzipien aber auch Rechtsstaat und Einzelfall Entscheidung angeht. Seine Bücher sind immer so geschrieben, dass man von ihm keine Meinung aufgedrückt bekommt, sondern er einem Argumente an die Hand gibt, sich seine eigene Meinung zu bilden. Das liebe ich so an seinen Büchern.

Zum Buch erschienen beim Piper Verlag geht es ---> hier

Interessant auch, wie Besucher des Theaterstückes abgestimmt haben in Sache des Piloten. Hier kommt ihr zum Umfrageergebnis ---> http://terror.kiepenheuer-medien.de

Ich wünsche euch einen friedlichen Tag.

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Terror - Ferdinand von Schirach

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