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Alle Toten fliegen hoch - Amerika - Joachim Meyerhoff



Was erwarte ich von einem Buch das ein Austauschjahr in Amerika beschreibt ?

Ich hätte mir dieses Buch niemals von alleine ausgesucht, aber die ARD Buffet Leserunde, gegründet auf Facebook von der phantastischen Buchkolumne aka Karla Paul tat es. Ich wollte gerne mitlesen. Trotzdem oder auch gerade darum. Denn ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen bewusst Bücher zu lesen, die ausserhalb meiner Komfortzone liegen. Die mich weiterbringen und mich über meinen Fantasy- und Jugendbuch Tellerrand blicken lassen.

Es ist mir gelungen oder besser Joachim Meyerhoff ist es gelungen. Autobiographisch beschreibt das siebzehnjährige Ich des Autors sein Jahr. Er startet mit einer kleinen Einleitung aus seiner Kindheit in der man bereits merkt, dass er kein Problem damit hat auch die Peinlichkeiten seines Lebens vor uns auszubreiten. Ich erinnere mich prägnant an eine Szene mit einer Lederhose und einer Riesenrutsche. Auch an seinem ersten Abend in Amerika geht nicht alles glatt. Eröffnet er dort doch seine erste Übernachtung mit einem Nasenblutenmassaker in seiner frischen Bergmotivbettwäsche.

Man könnte jetzt meinen es geht immer so weiter. Ereignis an Ereignis und doch bleibt es beim schnöden Alltag eines Austauschjahres, aber dem ist nicht so. Es ist zum einen Meyerhoffs schöne Sprache die zum weiterlesen einlädt zum anderen kommt es im Buch zu einem Knacks. Von da an ist das Austauschjahr, wie eine Reise zurück zu sich selbst, denn es geht auch um Trauer und Verlust. Ein siebzehnjähriger nabelt sich ab von seinem für mich oft überbehüteten Kleinstadt Zuhause und geht in die weite Welt. Ich denke jeder kann sich einen Augenblick in Meyerhoffs Situationen zu Hause fühlen. Jeder wird sich einen Moment an seine Kindheit oder Jugend erinnern. Viele Jugendliche werden sich aktuell heute in seinem Ich wiederfinden. Jeder wird eine Sekunde der Trauer empfinden und auf alle Fälle wird absolut jeder etwas zum lachen in diesem Buch finden. Das macht es vielleicht auch so besonders.

Ich wusste oft nicht ob ich mich über ihn lustig machen sollte, weil viele Situationen einfach urkomisch und auch peinlich waren oder ob ich Mitleid haben sollte. Bei manchen Sachen wusste ich nicht ob ein siebzehnjähriges Ich überspitzt, übertreibt oder ob es sich wirklich so zugetragen hat. Besonders gut beschrieben fand ich aber wie die ganze Familie mit dem Thema Trauer umgeht ohne das es kitschig übertrieben wäre. Für mich waren dort echte Emotionen beschrieben wie sie wirklich sind. Ohne Schnörkel, mitten aus dem Leben. Wenn man selber schon in einer Situation war, einen geliebten Menschen zu verlieren, könnte es hart sein diese Szenen zu lesen oder auch gut, weil man sich dort aufgehoben fühlen kann, weil hier einer schreibt der es selbst erlebt hat.

Jeder der ein Austauschjahr plant sollte dieses Buch lesen, als Vorbereitung. Jeder der schon immer von einem Jahr im Ausland geträumt hat, es aber nie getan hat, sollte dieses Buch lesen und überhaupt jeder sollte dieses Buch lesen. Meyerhoff schafft es Alltag interessant zu machen indem er alles kleinstgenau beschreibt und mich erinnerte es ein bisschen an peinliche Lagerfreuergeschichten mit Freunden. Es wird Bier getrunken und gelacht und man schaut in die Flammen und erinnert sich an früher und weiß das es nicht immer einfach war, aber gut.

Uns erwarten nun noch zwei Folgebände und ich werde auch diese Lesen. der Zweite Band ' Wann wird es endlich wieder so wie es nie war' und der dritte Band 'Diese Lücke Ach diese entsetzliche Lücke'. Meyerhoff schafft es einfach tragisch-komisch über ein Tabuthema zu schreiben, den Tod. Vielen Menschen fällt es sehr schwer darüber zu sprechen. Hier finden sie ausgesprochen was sie selber vielleicht nie sagen konnten. Hier kann man beim lesen im stillen Kämmerlein bemerken das man nicht alleine ist. Sicher sind manchmal die Alltagsbschreibungen zu lang oder auch zu konstruiert. Nicht in jeder Szene und in jeder Passage schafft Meyerhoff es, jeden mit zu nehmen aber mich hat er komplett erreicht.

Das diskutieren und lesen in der Leserunde hat mir auch sehr gut gefallen. Es war schön zu lesen was andere so über das Buch denken und ob der eigene Eindruck ganz anders ist. Jeder von uns nimmt ja ein Buch doch immer sehr subjektiv auf. Gerade bei diesem Buch kommt es für mich auch auf die persönlichen Erfahrungen an die ein Mensch schon gemacht hat bevor er das Buch liest.

Zur grandiosen Leserunde im ARD Buffet liest Kreis: https://www.facebook.com/groups

Zum Buch, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch , 230 Seiten : http://www.kiwi-verlag.de/buch/alle-toten-fliegen-hoch

Zur Buchkolumne : http://www.buchkolumne.de


Ich wünsche euch einen american day

Eure Paloma Pixel



dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.



Alle Toten fliegen hoch - Amerika - Joachim Meyerhoff

Kommentare

  1. Ich stelle in meiner Arbeit jede Woche die österreichischen Bestsellerlisten online und hab da auch Meyerhoff mit dem Titel "Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" gesehen. Hab daraufhin meiner Kollegin gesagt, dass ich dieses Buch nur des Titels wegen nicht kaufen würde. Daraufhin war sie ganz entsetzt und hat mir "Alle Toten fliegen hoch" geborgt, weil sie gemeint hat, das müsse man unbedingt gelesen haben. Ich schließ mich deiner Meinung zum Buch ziemlich genau an. Mich hat es positiv überrascht, wobei es teilweise dann doch ein wenig too much für mich war. Aber die Art und Weise, wie er über diesen furchtbaren Schicksalsschlag schreibt, hat mich dann doch sehr berührt!

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    1. Ja das war auch das was mich am meisten berührt hat. Schön das du meine Rezi gelesen hast 😄

      Liebe Grüße

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