Menü

Generation Beziehungsunfähig - Michael Nast


Michael Nast wird als Sprachrohr einer ganzen Generation bezeichnet. Zumindest von der Zeitung 'Die Welt'. Er steht für eine Generation Ü30, die den Bezug zu sich selbst durch Selfiewahn und Selbstoptimierung verloren hat. Was ist wirklich wichtig im Leben ? Warum fühlt man sich leer, obwohl man vermeintlich alles erreicht hat? Warum gibt es so viele Singles in Berlin wie nirgendwo sonst ? Michael Nast beleuchtet kritisch das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Das alles liest sich, wie Tagebucheinträge und Anekdoten die ihm seine Freunde erzählt haben. Es sind kurze Essays. Sozusagen ein Schwank aus seinem Leben. Was ihm durch den Kopf ging als er die Geschichten seiner Freunde und Bekannte hörte. Manches ist zynisch und sorry, auch typisch männlich. Vor allem die Geschichten über Dating und Singeldasein konnte ich so nicht immer nachvollziehen aber ich bin auch kein unglücklicher, selbstoptimierender Großstädter. Glaube ich zumindest.

In vielen liegt aber sehr viel Wahrheit und in Auszügen wird es geradezu philosophisch. Da geht es um Werte der Gesellschaft in die wir hineingepresst werden, bis wir selber glauben das uns nur noch der Konsum glücklich machen kann. Da geht es um die Beziehung zu sich selbst und anderen. Nicht nur um Liebesbeziehungen. Die meisten Datinggeschichten hinterließen bei mir einen schalen Nachgeschmack. Vielleicht weil die Frauen dabei oft nicht gut weg kommen und ich eine Frau bin. Ich will gar nicht abstreiten das es solche Dates wie im Buch tatsächlich gibt. Ich denke aber das es auch andere gibt und die im Buch zu kurz kommen. Die Sichtweise auf die Dinge ist mir doch in Bezug auf die Liebe zu negativ. Ich habe da andere Erfahrungen gemacht. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück. 

Glück ist auch so ein Thema im Buch. Ich glaube schon das Michael Nast in vielen Dingen den Zahn der Zeit trifft und das macht das Buch auch unterhaltsam. Wie der Schweighöferfilm zum lesen. Die eingebaute Berliner Schnauze tut ihr übriges. Wobei ich mich mit den berlinspezifischen Klischees und Themen als Rheinländerin überhaupt nicht auskannte. Ich glaube dadurch sind mir ein paar Insider entgangen. Man merkt doch stark den Berliner Großstadt Flair auch an Hand der Themen. In den einzelnen Abschnitten wiederholen sich immer mal wieder Aussagen und Geschichten. Das hat mich etwas irritiert. Als ob dir ein Freund immer wieder die selbe Geschichte erzählt. Das Buch bringt einen dazu über sein eigenes Leben nach zu denken und zu hinterfragen, ob man wie die beschriebenen Singles festhängt oder eben in meinem Leben doch alles ganz anders ist. Das ist ja nicht schlecht. Sich  mal zu fragen ob man sich selber wirklich den Job, die Freundin, das Auto, das Haus gewünscht hat und ohne das nicht glücklich sein könnte oder, ob uns das nur von Werbung und Gesellschaft suggeriert wird, wir im Grunde unseres Herzens aber leer sind. Hübsch gefilterte Instagrampersönlichkeiten die virtuell ein anderes Leben führen als in der Realität. 

Das alles wird von Michael Nast aufs Korn genommen und hinterfragt. Bei vielem will man aufschreien und sagen, nein ich nicht. Bei mir ist alles echt. Doch dann bleibt da ein winziger nagender Ast zurück und man fragt sich ob man wirklich so frei und unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen und Standards ist. Da geht es im Buch nicht nur um Liebesbeziehungen. Da geht es auch um die Beziehung zu uns selbst, dass macht das Buch zur charmanten Gesellschaftskritik. Seine Single Geschichten sind mir zu sehr Klischee. Wer einen Beziehungsratgeber sucht ist hier völlig falsch. Ich finde auch den Titel 'Generation Beziehungsunfähig' nicht so passend. Denn es geht im Buch um viel mehr. Nicht alle Punkte sind für mich wirklich zutreffend oder reif ausgearbeitet aber das ist auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass überhaupt darüber nachgedacht wird. Das Buch ist ein sehr guter Denkanstoß. Egal ob man nun schon über 30 ist oder noch nicht.

Zum Buch, 239 Seiten, erschienen bei edel ----> http://www.edel.com/buch/release/michael-nast/generation-beziehungsunfaehig/

Zu Seite von Michael Nast : http://www.michaelnast.com/bücher

Ich wünsche Euch einen nachdenklichen Tag

Eure Paloma Pixel


dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.
Generation Beziehungsunfähig - Michael Nast

Kommentare

  1. Sehr schöne Rezension, liebe Paloma Pixel. "Doch dann bleibt da ein winziger nagender Ast zurück und man fragt sich ..." Diese Art Bücher mag ich und daher finde ich auch deine Wünsche am Ende mehr als treffend. Nich alle Tage im Leben sollten schön und glatt geschliffen sein. Die nachdenklichen Tage sind oft das Salz in der Suppe. Daher bedanke ich mich artig und wünsche auch dir einen solchen Tag. Dazu noch ein Lächeln und ein bis ∞ Bücher.

    Alles Liebe
    Michael

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für dein Feedback lieber Michael. Ich lächle gerade ;-)

      Löschen
  2. Ich habe Nast im Radio gehört, als er gerade das Buch vorstellte, noch bevor es so gehypt wurde. Witzig fand ich: Aufgrund seiner GEschichten halten ihn manche Frauen (und Männer) für einen Frauenhelden, weil er soviele Frauen gedated hat. Für ihn ist das aber nich ungewöhnlich, weil die Erfahrungen auf 10 Jahren seines Lebens basieren. Und in 10 Jahren trifft man einfach manche Menschen :-)

    AntwortenLöschen

Name

E-Mail *

Nachricht *