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LockedIn - Wach auf wenn du kannst


Der Titel des Buches zog mich magisch an, denn das so genannte Locked In Syndrom ist eines der medizinischen Rätsel die noch nicht völlig erforscht sind. Denn es gibt einen Unterschied zwischen   Wachkoma und Locked In. Leider wurde ich medizinisch gesehen vom Buch etwas enttäuscht, aber als Frau vom Fach sieht man solche Sachen ja auch anders.
Die Story aber war alles andere als enttäuschend. Sie war so mittreißend und spannend das ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen. 

Alex Dare ist Journalistin und stößt bei Recherchen auf die Wachkoma Patientin Amy. Alex kann sich noch gut an den 15 Jahre zurückliegenden Fall erinnern. Amy wurde vergewaltigt und verprügelt und dann versuchte der Täter sie zu ermorden. Es gelang ihm nicht gänzlich, denn seit dem liegt Amy mit schweren Kopfverletzungen im Koma. Schnell verbeißt Alex sich in den Fall und sie ist davon überzeugt das Amy auf irgendeine Art mit ihr kommuniziert. Doch Alex steht vor einer Wand der Probleme, nicht nur bei dem Fall, sondern auch bei sich selber. Denn sie ist seit Jahren Alkoholikerin und wer sollte ihr schon glauben. 

Es beginnt eine bruchstückhafte Erinnerungssuche, auf der man Amy und Alex begleitet. Man muss zusehen wie Alex ihr Leben zwischen ein paar wachen Stunden am Tag und besoffenem Wegdrifften in der Nacht, begleitet von Panikattacken fristet. Sie glaubt sie hat ihren Konsum im Griff , wie übrigens jeder Pegeltrinker. Im Buch sind sehr schön die Höhen und Tiefen einer solchen Promillekarriere beschrieben. Sehr schonungslos und darum sehr glaubwürdig. Das gefiel mir gut. Amy hängt im wahrsten Sinne des Wortes fest und erinnert sich an kaum etwas. Die Abschnitte aus ihrer Sicht erinnern an kurze Traumsequenzen. Trotzdem bekam man hier einen Eindruck davon, was ein Komapatient noch mitbekommen könnte. Niemand weiß es ja genau und bei jedem Patienten ist dies unterschiedlich und individuell. 

Der Kriminalfall ist spannend eingebaut. Man kämpft mit Alex zusammen für Gerechtigkeit und sieht ihr dabei zu, wie sie sich Stück für Stück vorarbeitet. Das gilt nicht nur für Amys Fall, sondern auch für ihr Privatleben. Amy wird für Alex ein Rettungsanker. Sie hält ihr gleichzeitig den Spiegel vor und die Situation die sich entwickelt zwingt Alex zurück ins Leben. Das war für mich mindestens genau so spannend wie die Frage, ob es Alex gelingt nach so vielen Jahren den Täter ausfindig zu machen. 

In der Zeit wird hin und her gesprungen. Mal erleben wir Szenen der Tat aus Amys Sicht vor 15 Jahren, dann wird wieder in die Gegenwart oder in die Vergangenheit anderer beteiligter Personen gesprungen. Mich hat das aber nicht gestört. Die Spannung wurde so schön aufrecht erhalten und man tappte wirklich bis zuletzt im dunkeln. Es war schon ein kleines bisschen in Richtung Psychothriller für mich. Außer für Alex und Amy konnte ich für keine anderen Protagonisten wirkliche Sympathie entwickeln. Es wurde eher ein hartes Bild von allem gezeichnet und die Beschreibungen des Verbrechens an Amy waren genau so schonungslos. 

Was am Ende bei Alex Ermittlungen heraus kommt, war dann auch überraschend und ich war mit dem Ende trotzdem zufrieden, denn es war realistisch. Mein kleiner Wermutstropfen an einem ansonsten perfekten Buch, war nur der medizinische Aspekt. Ich finde man hätte gut noch Erklärungen über das Wachkoma in die Szenen, in denen Alex mit Amys Arzt redet einbauen können. Locked In, das ja auch den Titel des Buches stellt, wird überhaupt nicht erwähnt. Das fand ich sehr schade, denn das kann man in zwei Minuten googlen und in sein Buch einbauen. Es hätte der Geschichte noch zusätzliche Glaubwürdigkeit verliehen. Denn so macht es ja wenig Sinn, sein Buch nach etwas zu benennen, dass dann im Buch gar nicht vor kommt.

Zur besseren Erklärung : Amy liegt nach der Beschreibung des Buches im Wachkoma. Dieser Begriff wird dort auch dafür mehrmals genannt. Liegt man im Wachkoma wirkt man für die Umwelt zwar wach und hat eventuell geöffnete Augen und unwillkürliche Bewegungen, der Patient hat aber kein Bewusstsein, kein Sprachverständnis und kann auch nicht wie beschrieben im Buch kommunizieren. Was nicht erwiesen ist, ob er gar nichts mehr mitbekommt z.B. Musik oder Stimmen, die er aber nicht zuordnen kann so wie wir uns das vorstellen. Musik spielt im Buch eine große Rolle. Das sorgte für Ohrwürmer beim lesen.
Locked In Syndrom jedoch bedeutet, dass ein Patient Bewusstsein hat, er aber vollständig gelähmt ist und dadurch unfähig wird sich durch Sprache oder Bewegungen verständlich zu machen. Meist funktionieren nur Augenbewegungen oder die im Buch dargestellte Methode durch ja / nein Fragen. Da Amy im Buch durchaus Passagen hat in denen sie bei Bewusstsein ist und nachdenken kann, wenn auch nicht so wie ein gesunder Mensch, würde das also auf sie eher zutreffen. Dann wäre aber der Begriff Wachkoma im Buch falsch gewählt und Locked In, was eigentlich zutrifft wird nicht erklärt. Dieser medizinische Fehler wird aber dem normalen Leser nicht auffallen. Ich bin aber für genaue Recherche beim Bücher schreiben. Der spannenden Story schadet es aber nicht. Sie bleibt gut geschrieben und überzeugend.

Zum Buch, 429 Seiten, erschienen im Heyne Verlag ----> http://www.randomhouse.de/Paperback/Locked-in/Holly-Seddon/e479761.rhd

Ich wünsche euch einen spannenden Tag

Eure Paloma Pixel

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.
LockedIn - Wach auf wenn du kannst

Kommentare

  1. Ganz tolle Rezension. Und vielen Dank für die die Erklärung zu dem medizinischen Aspekt.Liebe Grüße Der Weltenwandler ;)

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    1. Vielen Dank. Ja medizinische Themen sind ja quasi mein berufsbedingtes Steckenpferd. Trotzdem fand ich das Buch super.

      LG

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  2. Ich denke, Locked In bezieht sich auf beide Protagonistinnen - denn scheinbar sind sie beide festgefahren, eingeschlossen in sich.

    Ich habe vor Jahren ein Buch aus Sicht eines Locked In-Patienten gelesen, aber ich habe leider den Namen vergessen :-( Ich fand es aber sehr eindrücklich, weil die Figur ein normaler Mann war, der nach einem Ereignis langsam begreift, dass er "eingeschlossen" ist :-)

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