Freitag, 1. Juli 2016

Magic Cleaning - Marie Kondo



Jeder von uns kennt es wahrscheinlich zu genüge und auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen gibt es bestimmt viele unter euch, so wie mich, die es hassen. Vielleicht auch nicht gerade hassen aber es definitiv auch nicht lieben. Eigentlich ist es mehr notwendiges Übel. Das Aufräumen.
Jeder von uns fühlt sich natürlich in einer sauberen und schön eingerichteten Wohnung wohler. Trotzdem scheint es schwer zu fallen diesen Zustand bei zu behalten. Die meisten arbeiten den ganzen Tag und haben nach der Arbeit wenig Lust noch den Putzlappen zu schwingen, ich auch nicht. Zwischen meinen Diensten ist mir meine Freizeit und die Zeit mit Freunden heilig. Ich lese lieber ein gutes Buch und lasse das Chaos Chaos sein. Trotzdem ärgere ich mich, wenn ich Sachen nicht mehr wiederfinde oder der Stress ausbricht, weil sich plötzlicher Besuch ankündigt und auf dem Sofa kein Platz mehr zum sitzen ist. Doch es gibt ja heutzutage für jede Lebenslage ein schlaues Buch und so landete ich bei Magic Cleaning, dass eines der bekannteren zu sein schien.


Ich frage mich nach der Lektüre des Buches nur leider warum ? Zuerst hielt ich den überaus euphorischen Schreibstil noch für eine japanische Motivationseigenart aber er ging mir das ganze Buch über auf die Nerven. Die Autorin lobte ihre Methode doch etwas zu oft selbst.
Sie ist in Japan aufgewachsen und lebt auch dort. Sie stützt ihre Aufräummethode auf ihre eigenen Erfahrungen und führt Beispiele von Klienten an. Ihre Methode ist natürlich die effektivste und hat keinerlei Rückfallquote. Für sie ist Aufräumen aber auch mehr als eine Notwendigkeit. Es ist ein Lebensgefühl. Der Schlüssel zum Glück liegt bei ihr in einer perfekt aufgeräumten Wohnumgebung, die Herz und Seele in Einklang bringt. Will man es richtig machen muss man mit Leib und Seele alles umkrempeln. Wer nur ein bisschen aufräumen oder die Möbel umstellen will für den ist das Buch nichts. Aufräumen ist Wohl eher ihr einziger Lebensinhalt. Sie arbeitet als Aufräumberaterin und gibt Kurse zum Thema. Ihre Geschichten lassen für mich jedoch leicht zwangsgestörte Tendenzen erkennen. Wer mit fünf angeblich schon Hausfrauenzeitschriften liest und mit 15 das ganze Haus entrümpelt, so dass ihm die Eltern Aufräumverbot erteilen nun gut. Wir sind eben alle anders gepolt und auch ein Aufräumtick sei gegönnt.

Wirklich gestört hat mich aber das altertümliche Hausfrauenbild. Als ob nur Frauen aufräumen. Männer finden im Buch keinerlei Erwähnung, auch wenn sich das Buch an den Leser und Leserinnen wendet, merkt man doch an den Themen das es eigentlich nur um Frauen geht. Es gibt aber in der heutigen Zeit bestimmt viele Männer die auch einen Ratgeber über das Aufräumen suchen. Dieses Buch kann ich dafür nicht empfehlen. Ich weiß nicht, ob das auch dem Kulturunterschied zuzuordnen ist aber ich konnte mich mit den Beispieldarstellungen im Buch in keinster Weise identifizieren. Das hatte für mich nichts mit einem modernen System oder wissenschaftlichen Erkenntnissen oder fundierten Tipps über das Aufräumen zu tun. Die meisten der Tipps kennt man schon aus den einschlägigen Zeitschriften. Zuerst entrümpeln, nur das behalten was einem wirklich am Herzen liegt, die aussortierten Teile keinem Familienmitglied mehr zeigen, die 'Das-benutze-ich-bestimmt-noch Falle vermeidende usw. Das sind auch alles nützliche Tipps aber von Magic Cleaning hätte ich deutlich mehr Erwartet.

Spätestens beim Kapitel über die Bücher, die hier einfach zerschnitten oder weggeworfen werden, war es bei mir vorbei mit dem Buch. Überhaupt finde ich furchtbar, dass bei der Konmari Methode, so nennt die Autorin das, quasi nichts recycelt oder verkauft sondern alles weggeworfen wird. Ich verkaufe oder verschenke meine Bücher die ich nicht mehr behalten will und aussortierte Kleidung geht in die Kleiderspende für den guten Zweck. Das wird zwar im Buch auch kurz erwähnt, ansonsten wird aber immer von wegwerfen geredet. Na gut man muss sich in diesem Punkt natürlich nicht daran halten aber wofür dann die Methode ausprobieren, wenn Dinge enthalten sind die ich dann eh nicht so mache ? Vielleicht sehe ich das alles zu westlich ? Es gibt auch kein Kapitel darüber wie ich es z. B. vor dem Wegwerfen verhindere, überhaupt erst überflüssige Dinge zu horten. Da müsste man ja eigentlich ansetzen. Gut die Methode bezieht sich darauf das man jeden Gegenstand in die Hand nimmt und in sich hineinhorcht, ob er einen glücklich macht. Nur dann behält man ihn. Selbst wenn man sich nicht sicher ist kommt er weg. Das klingt logisch und nachvollziehbar.

Merkwürdig aber war für mich die Erklärung, dass ich alle Dinge die ich besitze immer mal wieder in die Hand nehmen muss, um sie mit Energie auf zu laden oder das sich die Autorin bei den getragenen Kleidungsstücken für Ihre Mühen bedankt. Ein Kleidungsstück das man nie getragen hat und dann wegschmeißt hatte damit im Universum genau den Sinn uns zu zeigen, dass wir uns in so einem Kleidungstück nicht wohl fühlen. Ein bisschen zu esoterisch für meinen Geschmack, ich trage meine Shirts und mache sie dreckig aber ich rede nicht mit Ihnen. Ja es ist gewiss auch eine fernöstliche Sichtweise die den Dingen eine Seele geben und bei der Energien im Raum, ähnlich wie bei Feng Shui eine Berechtigung haben. Interessant ist diese Sichtweise schon.

Das Buch hilft bestimmt auch völlig Verlorenen, vor allem denen, die es so gar nicht übers Herz bringen etwas weg zu werfen. Denen es bei jeder Socke die ausgemistet werden soll so weh tut, dass sie sie doch zurück in den Schrank legen. Alle die ihren Besitz als überflüssigen Balast empfinden aber sich nicht trauen los zu lassen. Alle die fernöstlichen Minimalismus leben wollen. Für die kann das Buch ein guter Anfang sein. Abgesehen von ein paar nützlichen Tipps, die man zwischen all dem anderen heraus Filtern muss, war das Buch für mich aber eine Enttäuschung. Ich hätte mir etwas moderneres gewünscht. Hinzu kommt für mich das eine Methode die meine private Umgebung so durchstrukturiert, dass alles starr an seinem festen Platz liegt mich zwar erleichtert, da alles perfekt am Platz zu sein scheint, mir aber auch keinen Freiraum mehr lässt. Was ist mit zufälligen Entdeckungen die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern ? Kreativität braucht Chaos um neuen Input zu finden. Die Ordnung bleibt hier aber immer gleich. Man räumt ja einmal alles auf und damit ist man sozusagen von all seiner Last befreit und lebt dann in der neuen Ordnung. Diese überzogene Selbstoptimierung die manche Menschen betreiben, schnürt meiner Meinung nur in ein zu enges Korsett. Man lebt von neuen Erfahrungen, Frustration treibt den Menschen zu Höchstleistungen und Perfektion ist furchtbar langweilig. Ja auch die Frustration die uns umtreibt wenn wir etwas suchen! Sonst hätte es viele Erfindungen nie gegeben ! Da bleibe ich lieber chaotisch und kreativ. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Zum Buch erschienen bei Rowohlt : http://www.rowohlt.de/taschenbuch/marie-kondo-magic-cleaning.html
Übersetzt von Dr. Monika Lubitz

Ich wünsche Euch einen aufgeräumten Tag

Eure Paloma Pixel



dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Kommentare:

  1. Oje, das Buch ist nix für mich Chaosqueen! :-D Bücher wegwerfen geht echt gar nicht...

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    1. Ja das war auch das Kapitel im Buch was mir am übelsten aufgestoßen ist. Allerdings ist das natürlich nur ein kleiner Teil des Buches. Trotzdem.

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  3. Huhu (:
    So etwas hatte ich schon befüchtet als ich das Buch im Buchladen meines Vertrauens mal in die Hand genommen habe. Dadurch dass es so sehr gehypt ist, wird man dann ja doch sehr neugierig.
    Nachdem was du vom Buch erzählst, kann ich dir nur in allen Punkten zustimmen. Ich bin ein totales Chaoskind und ja, auch ich sehne mich manchmal nach aufgeräumten Ecken in der Wohnung. Trotzdem finde ich - wie du auch schon gesagt hast - dieses Minimalismus-Selbstoptimierungs-Korsett, das derzeit so viel angepriesen wird, viel zu einengend. Ich brauche meine Luft zum Atmen. Und wenn in dieser Luft eben auch Chaos hängt, dann ist das eben so.

    Danke für diese Review! Jetzt bin ich endgültig von der Neugierde um dieses Buch geheilt und habe Geld gespart (:

    Liebe Grüße
    Miriam

    P.S. Sorry, für's versehentliche Löschen des 1. Posts. Upps!

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  4. " Kreativität braucht Chaos um neuen Input zu finden." Das ist ein sehr schöner Satz, dem ich vollkommen zustimme. Ich bin eigentlich ein sehr ordnungsliebender Mensch. Das Problem ist nur, dass ich zu faul zum Aufräumen bin. Dafür kann ich aber sehr gut aussortieren und wegschmeißen. Bücher würde ich zwar nicht wegschmeißen, aber ich denke, dass man auch Bücher gut man aussortieren und weitergeben kann. Klar, warum nicht. Mittlerweile bin ich sogar fast so weit quasi nur noch auf dem Ereader zu lesen. Zwecks Platzersparnis und so weiter. ;)

    Liebst, Lotta

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    1. ja das ist in der Tat ein praktischer Vorteil der eReader. Ich gebe die Bücher die ich nicht behalten will auch immer weiter. Es gibt da ja genug Möglichkeiten, verschenken, verkaufen oder in einen Bücherschrank geben. Ich würde es niemals übers Herz bringen ein Buch einfach wegzuwerfen.

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